Während sich der Streit um die Kontrolle bei Kontron gerade erst gelegt hat, setzt der eigene Vorstandschef ein bemerkenswertes Signal. Hannes Niederhauser hat am Donnerstag 5.000 Aktien zu einem Kurs von 21,664 Euro gekauft – ein Insiderkauf, der zeitlich exakt mit starken Halbjahreszahlen und einer kräftigen Kursbewegung zusammenfällt.

Die Aktie sprang zeitweise um 5,3 Prozent auf 21,86 Euro. Grundlage dafür waren solide Geschäftszahlen: Der bereinigte Umsatz stieg im ersten Halbjahr um gut ein Prozent auf 737,1 Millionen Euro, wenn man verkaufte Geschäftsteile herausrechnet. Das bereinigte Ebitda ohne Sonderbelastungen für den Personalabbau kletterte von 90,9 auf 100,8 Millionen Euro.

Sonderkosten drücken den Gewinn

Unter dem Strich blieb davon weniger übrig. Der Überschuss brach wegen der Kosten für den Stellenabbau von 88,9 auf 34,9 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr hält der Vorstand dennoch an seinen Zielen fest: Der Umsatz soll leicht über dem Vorjahresniveau liegen, das bereinigte operative Ergebnis bei rund 225 Millionen Euro.

Der Insiderkauf fällt in eine Phase, in der die Eigentümerfrage bei Kontron noch nicht endgültig geklärt ist. Großaktionär Ennoconn hatte nach Ablauf seines Pflichtübernahmeangebots keine Mehrheit erreicht. Vorstand und Aufsichtsrat hatten von einer Annahme des Angebots über 23,50 Euro je Aktie abgeraten und den Preis als finanziell nicht angemessen bezeichnet, nachdem Ennoconn Mitte Juni die 30-Prozent-Schwelle überschritten und damit das Pflichtangebot ausgelöst hatte.

Dass Niederhauser nun zu einem Kurs unterhalb des gescheiterten Übernahmeangebots kauft, könnte als Vertrauensbeweis in die eigene Strategie gelesen werden. Wie sich die Aktionärsstruktur nach dem gescheiterten Angebot weiterentwickelt, bleibt vorerst offen – die operativen Zahlen liefern der Führung jedenfalls Rückenwind für die eigene Position.