Sechs Tage vor einer entscheidenden Abstimmung mischt ein weiterer Schwergewicht im Kontron-Aktionariat mit. Goldman Sachs hat seine Position an dem österreichischen IoT-Spezialisten deutlich ausgebaut. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Am 27. Juli stimmen die Aktionäre über das Übernahmeangebot der taiwanesischen Ennoconn Corporation ab.

Goldman Sachs meldet Schwellenüberschreitung

Laut einer Stimmrechtsmitteilung vom Montagabend hält Goldman Sachs nun 5,13 Prozent der Stimmrechte an Kontron. Damit überschreitet die US-Investmentbank erstmals die Meldeschwelle von 5 Prozent. Der Löwenanteil der Position läuft über Finanzinstrumente wie Securities Lending und Swaps, nur ein kleiner Teil über direkt gehaltene Aktien.

Goldman Sachs reiht sich damit neben anderen Großinvestoren ein. BlackRock hält zuletzt 4,07 Prozent, Morgan Stanley kommt auf 6,96 Prozent. Beide Häuser meldeten in den vergangenen Tagen ebenfalls Anpassungen ihrer Beteiligungen. Die Bewegungen im Aktionariat zeigen: Vor der Abstimmung positionieren sich institutionelle Investoren neu.

Kontron sammelt Aufträge, Management lehnt Angebot ab

Ennoconn bietet den Kontron-Aktionären 23,50 Euro je Aktie. Der Kontron-Vorstand weist diesen Preis wiederholt als unangemessen zurück – und untermauert das mit frischen Geschäftserfolgen.

Am Dienstag meldete Kontron einen neuen Kunden aus der europäischen Automobilbranche. Der Auftrag umfasst rund 150.000 5G-Kommunikationsmodule, gefertigt in einer neuen Produktionsstätte in Düsseldorf. Das Volumen liegt im zweistelligen Millionenbereich. Bei einem Rollout auf weitere Fahrzeugplattformen sieht Kontron deutliches Ausbaupotenzial.

Bereits Mitte Juli hatte sich die Tochtergesellschaft Kontron Transportation einen Großauftrag gesichert. Er umfasst knapp 100 Millionen Euro für die Modernisierung und Wartung europäischer Bahnkommunikationsnetze. Beide Aufträge stützen die Strategie des Konzerns, sich als führender europäischer Anbieter für sichere 5G-Technologie und kritische Infrastruktur zu positionieren.

Analysten sehen mehr Wert als das Angebot

Während Ennoconn 23,50 Euro bietet, blickt mwb research deutlich weiter. Das Analysehaus hob sein Kursziel am Dienstag auf 35,00 Euro an. Begründet wird der Schritt mit der starken Auftragsdynamik und der hohen Ertragssicherheit im Bahnkommunikationsgeschäft – Visibilität reicht laut den Analysten bis weit in das nächste Jahrzehnt.

Die Kontron-Aktie notiert aktuell bei 23,00 Euro, ein Plus von 0,26 Prozent am Tag. Der Kurs bleibt damit unter dem Ennoconn-Angebot und rund 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 28,66 Euro. Diese Lücke zwischen Kurs, Übernahmepreis und Analystenziel zeigt: Der Markt wartet den Ausgang der Abstimmung ab, bevor er sich festlegt.

Am 27. Juli entscheidet sich, ob Kontron unabhängig bleibt oder stärker in den Ennoconn-Konzern eingebunden wird. Die Positionierungen der Großaktionäre in den Tagen davor dürften den Ausgang mitbestimmen.