Starke Zahlen für 2025 — und trotzdem Kursverluste. Kontron lieferte operativ ein durchaus respektables Geschäftsjahr ab, doch der Ausblick auf 2026 enttäuschte den Markt spürbar. Seither steht eine zentrale Frage im Raum: Sind die ambitionierten Mittelfristziele bis 2030 noch glaubwürdig?
Prognose verfehlt Erwartungen
Für 2026 rechnet Kontron mit einem bereinigten EBITDA von 225 Millionen Euro. Analysten hatten im Konsens rund 246 Millionen Euro erwartet. Die Reaktion folgte prompt: Die Aktie verlor rund 8,5 Prozent und fiel Ende März auf ein 52-Wochen-Tief von 18,00 Euro.
Besonders auffällig ist das Missverhältnis zwischen Umsatz- und Ergebniswachstum. Die Erlöse sollen auf bis zu 1,8 Milliarden Euro steigen — ein Plus von acht Prozent. Das EBITDA wächst dabei aber nur um zwei Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem die GreenTec-Division: Der Solarbereich entwickelte sich 2025 deutlich schwächer als erwartet, der Umsatz sank von 193 auf 151 Millionen Euro, der EBIT-Beitrag fiel mit minus 8 Millionen Euro negativ aus.
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Als Reaktion plant Kontron eine Restrukturierung des Bereichs, verbunden mit dem Abbau von rund 500 Stellen und Aufwendungen von etwa 25 Millionen Euro. Das Management erwartet, dass GreenTec im vierten Quartal 2026 wieder in die Gewinnzone zurückkehrt. Ob dieser Zeitplan hält, gilt am Markt als entscheidend für die Glaubwürdigkeit der langfristigen Wachstumsstory.
Solide Basis, gespaltenes Bild
Das Geschäftsjahr 2025 selbst lieferte durchaus vorzeigbare Ergebnisse: Das EBITDA verbesserte sich um 23,8 Prozent auf 237,4 Millionen Euro, der operative Cashflow kletterte um knapp 70 Prozent auf einen Rekordwert von 167,7 Millionen Euro. Der Auftragsbestand wuchs von 2,1 auf 2,5 Milliarden Euro — ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,26, das dem Management erhebliche Planungssicherheit verschafft.
Das institutionelle Bild bleibt dennoch gespalten. Leerverkaufsaktivitäten und das Auslösen von Knock-out-Zertifikaten verstärkten den Abwärtsdruck zusätzlich. Jefferies bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 27 Euro, die DZ Bank passte ihren fairen Wert leicht auf 31 Euro an — beide liegen damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
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Management kauft, Markt wartet ab
CEO Hannes Niederhauser erwarb persönlich 5.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 17,62 Euro. Parallel genehmigte der Vorstand ein Rückkaufprogramm für bis zu 2,9 Millionen Aktien im Volumen von maximal 50 Millionen Euro — finanziell gedeckt durch den rekordhohen Cashflow.
Langfristig hält das Management an seinen Zielen fest: Bis 2030 sollen Umsatz auf 2,6 Milliarden Euro und EBITDA auf 420 Millionen Euro steigen. Der US- und China-Anteil am Umsatz soll von aktuell 15 auf 30 Prozent verdoppelt werden, gestützt durch lokale Produktionskapazitäten und die Kooperation mit Ennoconn und Foxconn.
Die anstehenden Halbjahreszahlen werden zeigen, ob die GreenTec-Restrukturierung planmäßig verläuft und die Margen sich stabilisieren. Erst dann dürfte der Markt bereit sein, die Langfristambitionen wieder mit mehr Überzeugung zu bewerten.
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