Ein mageres Übernahmeangebot auf der einen Seite, neue Großaufträge und ein prominenter Investor auf der anderen. Bei Kontron prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Während der Kurs stagniert, wächst hinter den Kulissen der Widerstand gegen einen billigen Verkauf des Unternehmens.

Infrastruktur-Software treibt das Geschäft

Das operative Geschäft liefert dem Management starke Argumente für die Eigenständigkeit. Die Tochtergesellschaft Kontron AIS digitalisiert künftig die Bahninfrastruktur in Antwerpen. Parallel dazu modernisiert Kontron Transportation das Kommunikationsnetz der portugiesischen Eisenbahn.

Beide Projekte basieren auf dem neuen Mobilfunkstandard FRMCS. Diese Software-Lösungen für kritische Infrastruktur gelten als hochprofitabel. Das Management sieht darin den Beleg für einen inneren Wert, der weit über dem aktuellen Übernahmeangebot liegt.

Morgan Stanley baut Beteiligung aus

Das operative Momentum lockt prominente Adressen an. Die US-Investmentbank Morgan Stanley baute ihre Beteiligung an dem Linzer Unternehmen signifikant aus. Das Institut hält nun einen Anteil von rund 8,18 Prozent der Stimmrechte.

Marktbeobachter werten diesen Schritt als Signal für das Vertrauen in die Strategie. Institutionelle Anleger trauen dem Konzern offenbar mehr zu als der Bieter. Der Einstieg erfolgt in einer Phase, in der die Gremien den Aktionären von einer Annahme der Offerte abraten.

Die Bewertungslücke bleibt bestehen

Die Ennoconn Corporation bietet den Aktionären aktuell 23,50 Euro je Anteilsschein. Experten halten diesen Preis für deutlich zu niedrig. Analysten taxieren das faire Kursziel im Durchschnitt bei über 30 Euro.

An der Börse herrscht derweil Zurückhaltung. Die Aktie schloss zuletzt bei 23,10 Euro und notiert damit knapp unter der Offerte. Offenbar zweifeln viele Marktteilnehmer an einer schnellen Nachbesserung durch den Bieter.

Die Aktie bewegt sich mit einem RSI von 48,4 im neutralen Bereich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 28,66 Euro ist das Papier noch ein gutes Stück entfernt. Der Börsenwert des Technologiekonzerns liegt bei gut einer Milliarde Euro.

Der Countdown für Aktionäre läuft. Die Annahmefrist für die Ennoconn-Offerte endet am Monatsende. Bis dahin entscheidet der Markt, ob er den operativen Fortschritten mehr Gewicht beimisst als dem garantierten Ausstiegspreis. Die Kursziele der Experten signalisieren jedenfalls erheblichen Spielraum nach oben.