Nach neun Verlusttagen in Folge stabilisierte sich die Kratos-Aktie am Freitag knapp. Der Schlusskurs von 40,86 Euro bedeutet ein Plus von 0,28 Prozent — eine kleine Verschnaufpause nach einem Monat, der Anleger 17 Prozent kostete.

Technisch am Limit

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Seit dem Jahreshoch von 114 Euro im Januar 2026 hat die Aktie rund 64 Prozent verloren. Der 14-Tage-RSI liegt bei 31,9 — knapp oberhalb der Überverkauft-Schwelle von 30. Das 52-Wochen-Tief bei 35,29 Euro ist nur noch 16 Prozent entfernt.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt mehr als 40 Prozent. Das ist kein kurzfristiger Rücksetzer mehr. Die annualisierte Volatilität von über 70 Prozent zeigt: Weitere heftige Ausschläge sind jederzeit möglich.

Auslöser für den Kursverfall war unter anderem der Stimmungswandel im Verteidigungssektor. Die laufenden US-Iran-Verhandlungen dämpften die Risikobereitschaft bei Rüstungswerten spürbar.

Valkyrie fliegt nach Europa

Operativ läuft es bei Kratos anders als der Kurs vermuten lässt. Airbus Defence and Space treibt die Europäisierung des Kampfdrohnen-Typs XQ-58A Valkyrie voran. Zwei Maschinen stehen im bayerischen Manching bereit — ausgestattet mit dem Airbus-eigenen Missionssystem MARS. Die Erstflüge stehen bevor.

Das Ziel: Eine Lösung für kollaborative Kampfluftfahrt für die Bundeswehr und europäische Partner bis 2029. Kratos liefert Zelle und Mechanik, Airbus übernimmt die Systemintegration.

Parallel dazu erschloss Kratos den indischen Markt. Eine Vereinbarung mit Anadrone Systems soll Kratos-Drohnentechnologie mit lokaler Fertigung und Betriebsunterstützung in Indien verbinden.

Quartalszahlen im August

Der Auftragsbestand überstieg zuletzt 1,5 Milliarden Dollar — ein Rekordwert. Analysten erwarten für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von rund 22 bis 23 Prozent. Die Frage ist, wie schnell Kratos diesen Bestand in operativen Cashflow umwandeln kann.

Die Antwort kommt im August. Dann legt das Unternehmen die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Bis dahin bleibt die Marke von 40 Euro der entscheidende Puffer nach unten.