Starke Zahlen, neue Märkte, aber ein fallender Aktienkurs. Bei Kratos Defense klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Ein geopolitischer Waffenstillstand kostet den Rüstungskonzern seine Risikoprämie. Dabei liefert das Unternehmen abseits der Schlachtfelder handfeste Erfolge.

Vorstoß in die Logistik

Kratos weitet sein Portfolio auf die zivile Logistik aus. Mitte Juni schickte das Unternehmen zwei Lkw auf eine 2.500 Meilen lange Reise. Die Route führte von North Carolina bis zu einer Marinebasis in Kalifornien. Das Besondere: Ein autonomer Truck folgte einem menschlich gesteuerten Führungsfahrzeug.

Dieser Testlauf beweist die Marktreife der Technologie. Ein einziger Fahrer kann so mehrere Fahrzeuge betreuen. Das senkt Kosten und erhöht die Frachtkapazität. Kratos überträgt damit erfolgreich militärische Autonomie-Software in den kommerziellen Sektor.

Triebwerke als Wachstumstreiber

Parallel dazu skaliert der Konzern sein Triebwerksgeschäft. Die Nachfrage nach Raketen und Loitering Munitions steigt rasant. Kratos reagiert darauf mit einem massiven Ausbau der Kapazitäten. Im kommenden Jahr will das Unternehmen 3.000 Einheiten seiner Spartan-Triebwerke fertigen.

Die Produktion findet vollständig in den USA statt. Das sichert die Lieferketten. Kratos setzt hier auf eine klare Preisstrategie. Militärische Leistung soll zu zivilen Preisen angeboten werden. Um Lieferzeiten zu verkürzen, kauft das Management bereits jetzt Material auf eigene Rechnung ein.

Geopolitik drückt den Kurs

Operativ läuft es rund. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um fast 23 Prozent auf 371 Millionen US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 16 Cent. Damit übertraf Kratos die Erwartungen der Analysten zum vierten Mal in Folge.

Das Management hob daraufhin die Jahresprognose an. Der Umsatz soll auf bis zu 1,76 Milliarden US-Dollar klettern. Die Börse honoriert das aktuell nicht. Ein 60-tägiger Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran ließ die Risikoprämie im Rüstungssektor schmelzen. Allein diese Nachricht drückte die Aktie um mehr als vier Prozent ins Minus.

Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 34 Prozent an Wert verloren. Der Kurs pendelt aktuell um die Marke von 51 US-Dollar.

Analysten bleiben trotz des Abverkaufs optimistisch. Im Schnitt empfehlen 19 Experten die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 112,20 US-Dollar. Das signalisiert ein massives Aufwärtspotenzial.

Der Konzern investiert massiv in sein Wachstum. Für das laufende Jahr rechnet Kratos mit einem Cash-Burn von bis zu 105 Millionen US-Dollar. Sobald die neuen Produktionskapazitäten greifen, muss das Management beweisen, dass sich diese Vorleistungen in profitables Wachstum übersetzen lassen.