Kratos Defense hat seit Jahresbeginn rund 40 Prozent an Wert verloren. Ein Schnäppchen ist der Rüstungskonzern deshalb aber noch lange nicht. Im Gegenteil. Ein aktuelles Bewertungsmodell stuft die Papiere weiterhin als deutlich überteuert ein.

Hoher Preis für Rüstungsfantasie

Ein neues Finanzmodell taxiert den fairen Wert der Aktie auf 41,22 US-Dollar. Zuletzt notierte das Papier an der Wall Street spürbar darüber. Das entspricht einem Aufschlag von rund 16 Prozent.

Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis fällt mit 6,35 hoch aus. Der Branchendurchschnitt für Luftfahrt und Rüstung liegt deutlich darunter. Anleger zahlen also weiterhin eine Prämie für Zukunftstechnologien wie Drohnen und Hyperschallwaffen. Konventionelle Bewertungsmaßstäbe treten in den Hintergrund.

Volle Auftragsbücher

Operativ liefert das Management durchaus Argumente für diesen Optimismus. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um fast 23 Prozent auf 371 Millionen US-Dollar. Besonders das Geschäft mit unbemannten Systemen wie der Valkyrie-Drohne wuchs rasant.

Der Blick in die Zukunft stützt diese Entwicklung. Der Auftragsbestand erreichte zuletzt die Marke von zwei Milliarden US-Dollar. Dazu kommt eine Projektpipeline im Wert von über 14 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage nach moderner Verteidigungstechnik bleibt intakt.

Wachstum frisst Kapital

Das rasante Tempo hat allerdings seinen Preis. Kratos verbrennt derzeit massiv Geld für den Kapazitätsausbau. Im abgelaufenen Quartal lag der freie Cashflow bei minus 43,1 Millionen US-Dollar.

Das Management plant für das Gesamtjahr Investitionen von bis zu 165 Millionen US-Dollar. Das Geld fließt in Satellitenanlagen, Triebwerke und die nächste Produktionsserie der Valkyrie-Drohnen. Entsprechend rechnet der Vorstand für 2026 mit einem negativen freien Cashflow von rund 100 Millionen US-Dollar.

Der Markt bleibt skeptisch

An der Börse spiegelt sich diese Skepsis deutlich wider. Mit einem aktuellen Kurs von 40,55 Euro notiert die Aktie extrem weit unter ihrem Jahreshoch. Auch die wichtige 50-Tage-Linie bei gut 50 Euro bleibt derzeit außer Reichweite.

Der Konflikt ist offensichtlich. Kratos wächst stark in strategisch wichtigen Rüstungsbereichen. Anleger müssen diese Expansion jedoch mit negativen Zahlungsströmen finanzieren. Solange das Unternehmen diese Lücke nicht schließt, bleibt die hohe Bewertung ein permanentes Risiko für den Aktienkurs.