Der KI-Boom verliert an Schwung. Anleger werfen Halbleiterwerte massiv aus ihren Depots. Die Aktie von Lam Research gerät dabei besonders stark unter die Räder. Am Dienstag schloss das Papier bei 326,08 US-Dollar. Auf Wochensicht steht ein sattes Minus von rund 17 Prozent.

Insider machen Kasse

Ein Grund für die trübe Stimmung liegt in der Führungsetage. Manager des Anlagenbauers haben in den vergangenen Monaten kräftig Aktien verkauft. Die Summe beläuft sich auf knapp 48 Millionen US-Dollar. Die Folge: Anleger werden nervös.

Allein CEO Timothy Archer stieß Anfang Juli Papiere im Wert von 11,7 Millionen US-Dollar ab. Diese Verkäufe fallen in eine heikle Phase. Die Aktie war im ersten Halbjahr enorm stark gelaufen. Seit Januar steht immer noch ein Plus von 76 Prozent auf der Kurstafel.

Ein Sektor unter Druck

Der Abverkauf trifft nicht nur Lam Research. Der gesamte Halbleitermarkt rutschte am Dienstag tief ins Minus. Auslöser waren durchwachsene Signale großer Branchenschwergewichte. TSMC verfehlte im Frühjahr einige Markterwartungen. Das weckt Zweifel an den kurzfristigen Budgets für die KI-Infrastruktur.

Parallel dazu lieferte Samsung eigentlich hervorragende Quartalszahlen. Der operative Gewinn verneunfachte sich fast. Aber Investoren nutzten die Nachricht für schnelle Gewinnmitnahmen. Konkurrenten wie Applied Materials und KLA Corporation stürzten um acht bis zehn Prozent ab.

Makroökonomischer Gegenwind

Außerhalb der Branche trübt sich das Umfeld ebenfalls ein. Die USA verzeichnen einen überraschend schwachen Arbeitsmarkt. Im Juni kamen lediglich 57.000 neue Stellen hinzu. Das schürt neue makroökonomische Unsicherheit.

Ferner steigen die geopolitischen Risiken. Spannungen am Persischen Golf treiben den Ölpreis in Richtung 72 US-Dollar. Für Lam Research birgt diese Gemengelage ein spezielles Risiko. Der Konzern erzielt rund 35 Prozent seiner Umsätze in China. Handelspolitische Konflikte könnten dieses wichtige Geschäft direkt belasten.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz des heftigen Rücksetzers halten viele Experten an der Aktie fest. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 404 US-Dollar an. Lynx Equity sieht den fairen Wert bei 400 US-Dollar. Beide Häuser setzen auf das langfristige Branchenwachstum.

Besonders optimistisch zeigt sich Susquehanna mit einem Kursziel von 475 US-Dollar. Die Experten erwarten eine massive Expansion des Marktes für Wafer-Fertigungsanlagen. Bis 2028 soll das Volumen branchenweit auf 250 Milliarden US-Dollar anwachsen. Lam Research dürfte als etablierter Ausrüster direkt von diesem Investitionsschub profitieren.