Ein KI-getriebener Chipmangel treibt die Kursziele für Lam Research in ungewöhnliche Höhen. Stifel-Analyst Brian Chin hebt sein Ziel für den Chipausrüster auf 425 US-Dollar an, ein Sprung von 100 Dollar gegenüber der bisherigen Marke von 325 Dollar. Die Aktie selbst reagierte am Freitag kaum: Sie schloss bei 352,61 Dollar, ein Minus von 0,16 Prozent.
Warum Stifel so optimistisch ist
Chin begründet seine Prognose mit einem einfachen Ungleichgewicht: Die Nachfrage nach KI-Chips übersteigt aktuell das Angebot deutlich. Das verschafft Ausrüstern wie Lam Research eine seltene Verhandlungsposition. Der Analyst erwartet, dass das Unternehmen seine eigenen Prognosen für das vierte Fiskalquartal übertrifft.
Konkret rechnet er mit einem Systemumsatz von rund 4,6 Milliarden Dollar. Das wäre ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Nach Chins Einschätzung könnten Ausrüster ihre Preissetzungsmacht bis 2027 sogar noch ausbauen.
Lam Research steht mit dieser Neubewertung nicht allein da. Stifel hob im gleichen Zug auch die Ziele für Applied Materials auf 650 Dollar und für KLA auf 270 Dollar an. Der gesamte Sektor für Wafer-Fertigungsanlagen profitiert von diesem Trend: Für 2026 rechnen Analysten mit Ausgaben zwischen 145 und 150 Milliarden Dollar. Bis 2028 könnte diese Summe laut Branchenprognosen auf 225 Milliarden Dollar steigen.
Kurs hinkt der Euphorie hinterher
Trotz der Kurszielanhebungen bleibt die Aktie bemerkenswert ruhig. Über die vergangene Woche steht nur ein Plus von 0,34 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht sieht das Bild dynamischer aus: Ein Zuwachs von 9,57 Prozent in 30 Tagen zeigt, dass der Markt die positiven Signale durchaus goutiert.
Der große Rahmen bleibt beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von 90,54 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 249,60 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 438,50 Dollar, erreicht Ende Juni 2026, notiert die Aktie aktuell aber noch 19,59 Prozent entfernt.
Technisch zeigt sich ein eher neutrales Bild. Der 14-Tage-RSI liegt bei 49,5 — weder überkauft noch überverkauft. Mit einem Abstand von 7,07 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 329,33 Dollar bewegt sich der Kurs solide, aber nicht euphorisch.
Insider verkaufen, Bewertung bleibt hoch
Ein Detail dürfte manche Anleger aufhorchen lassen: Führungskräfte haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 59,4 Millionen Dollar verkauft. Solche Insider-Verkäufe sind nicht automatisch ein Warnsignal, fallen aber in eine Phase extrem hoher Bewertungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt derzeit bei etwa 65 — ein Niveau, das deutlich über historischen Normen für den Sektor liegt.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf umgerechnet rund 364,7 Milliarden Euro. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 93,67 Prozent bleibt die Aktie zudem ein Papier mit ausgeprägten Kursschwankungen.
Die nächste Bewährungsprobe folgt schnell. Ende Juli 2026 legt Lam Research seinen Quartalsbericht vor. Dann zeigt sich, ob die von Stifel prognostizierte Kombination aus übertroffenen Erwartungen und angehobenen Prognosen tatsächlich eintritt — oder ob die aktuelle Kurszurückhaltung bereits ein Vorbote gedämpfterer Erwartungen ist.
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