Fast 38 Prozent Kursverlust in einem Monat. Ein neues 52-Wochen-Tief am Mittwoch. Am Donnerstag zeigt die Lang & Schwarz Aktie nun erstmals wieder Lebenszeichen: Der Kurs steigt um 1,68 Prozent auf 18,20 Euro.

Erholung nach extremer Verkaufswelle

Der Rebound folgt auf einen der heftigsten Kurseinbrüche der jüngeren Firmengeschichte. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie fast 37,5 Prozent an Wert. Auf Sicht von sieben Tagen summiert sich das Minus auf über 19 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 29,70 Euro vom 5. Juni bleibt der Titel weiterhin rund 39 Prozent entfernt. Die technischen Indikatoren zeigen eine extrem überverkaufte Marktlage. Der RSI liegt bei 14,5 – ein Wert, der kurzfristige Gegenbewegungen wie die heutige begünstigt.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei rund 61 Prozent. Das unterstreicht die Nervosität, mit der der Markt das Papier aktuell handelt. Auch die gleitenden Durchschnitte zeigen das Ausmaß der Korrektur: Der Kurs notiert rund 33 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 27,11 Euro und über 23 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 23,74 Euro.

Auslöser bleibt der Wegfall des Hauptpartners

Ursprung der Talfahrt ist der Verlust des wichtigsten Geschäftspartners. Seit dem 1. Juli 2026 verbietet die EU das umstrittene „Payment for Order Flow“, von dem Lang & Schwarz jahrelang profitierte.

Bisher wickelte das Haus den Großteil des Aktienhandels für Trade Republic ab. Dieser lukrative Kanal bricht nun weg. Der Neobroker bindet künftig 30 Handelsplätze wie Xetra und Nasdaq ein, eine automatische Bestpreis-Ausführung entscheidet über die Order-Zuteilung.

Das Management reagierte bereits auf die veränderte Wettbewerbssituation. Der Vorstand passte die Jahresprognose an und rechnet für 2026 nun mit einem moderaten Rückgang des Handelsergebnisses. Das Niveau soll aber weiterhin über dem Jahr 2024 liegen.

Operatives Geschäft trotz Krise stabil

Trotz des Kurssturzes zeigte sich das operative Geschäft zuletzt robust. Im zweiten Quartal stieg das Ergebnis aus der Handelstätigkeit auf 32 Millionen Euro, nach 25 Millionen Euro im Vorjahr. Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung prägt aktuell die Wahrnehmung des Titels an der Börse.

Um den drohenden Orderverlust langfristig abzufedern, arbeitet das Unternehmen an Alternativen. Lang & Schwarz treibt ein neues Handelsmodell voran. Mehrere Wertpapierdienstleister sollen künftig parallel als Market Maker konkurrieren, während die hauseigene TradeCenter AG selbst eine solche Rolle übernimmt.

Blick auf den nächsten Belastungstest

Für die weitere Kursentwicklung dürfte der nächste Quartalsbericht entscheidend werden. Am 21. August präsentiert Lang & Schwarz den Halbjahresbericht. Er dürfte offenlegen, wie hart der Wegfall des Exklusivvertrags das Geschäft tatsächlich trifft.

Bis dahin braucht die Aktie handfeste Neuigkeiten zum geplanten Handelsmodell. Fehlen diese Impulse, droht der Kurs weiter am Jahrestief festzuhängen. Die heutige Bewegung von 17,90 auf 18,20 Euro dürfte damit vor allem eine technische Reaktion auf die überverkaufte Marktlage sein – wie viel Handelsvolumen Lang & Schwarz im veränderten Wettbewerbsumfeld tatsächlich halten kann, entscheidet sich frühestens am 21. August.