Eine Dividendenrendite von fast 11 Prozent klingt nach einem Schnäppchen. Bei Lang & Schwarz ist sie das Ergebnis eines Kurssturzes, der die Aktie seit Anfang Juli in eine Abwärtsspirale gezogen hat. Der Grund: Ein zentraler Geschäftspartner ist weggebrochen.

Ausverkauf drückt Kurs auf Jahrestief

Die Aktie des Düsseldorfer Wertpapierhandelshauses schloss am Freitag bei 18,15 Euro. Das liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 17,75 Euro, erreicht am 8. Juli. Binnen 30 Tagen hat der Titel fast 38 Prozent verloren.

Der Abwärtstrend zeigt sich in fast jeder Kennzahl. Der Kurs liegt mehr als 32 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 24 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI-Wert von 14,1 signalisiert eine stark überverkaufte Aktie. Die annualisierte Volatilität von gut 61 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in den vergangenen Wochen verlief.

Das quantitative Trendfolgesystem BOTSI-Advisor von boerse.de hat den Titel im Zuge des Ausverkaufs mehrfach herabgestuft. Kurz-, mittel- und langfristig steckt die Aktie damit in einem bestätigten Abwärtstrend.

Trade Republic fällt als Partner weg

Der Kurssturz hat einen klaren Auslöser. Seit dem 1. Juli 2026 verbietet die EU das sogenannte Payment for Order Flow. Trade Republic war bislang der wichtigste Kanal für die Lang & Schwarz TradeCenter AG & Co. KG – und fällt nun weg.

Das Unternehmen reagierte mit einer Ad-hoc-Mitteilung und passte die Jahresprognose für 2026 an. Erwartet wird jetzt ein leichter bis moderater Rückgang des Handelsergebnisses gegenüber dem Rekordjahr 2025. Das Niveau von 2024 soll trotzdem übertroffen werden.

Die jüngsten Quartalszahlen passen nicht ganz ins Bild der Krise. Im zweiten Quartal erzielte Lang & Schwarz ein operatives Ergebnis von rund 32 Millionen Euro – deutlich mehr als die 25 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Markt preist offenbar vor allem die Zukunft nach Trade Republic ein, nicht die aktuelle Ertragslage.

Zehn Jahre Gewinn, ein Jahr Verlust

Die Langfrist-Bilanz relativiert die aktuelle Schwäche. Über zehn Jahre steht für Aktionäre ein Kursgewinn von 170,1 Prozent zu Buche, im Schnitt 15,8 Prozent pro Jahr. Aus 10.000 Euro wären so 43.291 Euro geworden.

Auf Sicht von zwölf Monaten sieht die Rechnung anders aus. Hier steht ein Minus von 14,79 Prozent. Die Verlust-Ratio von 3,3 stuft boerse.de als hohes Anlagerisiko ein – ein Grund, warum die Aktie die strengen Kriterien für den hauseigenen Champions-Status verfehlt.

Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 76,84 Millionen Euro. Das zeigt, wie stark der jüngste Ausverkauf die Bewertung des Unternehmens bereits geschrumpft hat.

Halbjahresbericht als nächster Prüfstein

Am 21. August legt Lang & Schwarz den Halbjahresbericht vor. Erstmals dürften dann konkrete Zahlen zur veränderten Orderverteilung nach dem Wegfall von Trade Republic vorliegen. Bis dahin bleibt offen, ob der aktuelle Kurs die neue Geschäftsrealität bereits vollständig abbildet oder der Markt überreagiert hat.