Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing stellt seine Finanzierung mittelfristig auf eine breitere Basis. Neben operativen Anpassungen im Rahmen der strategischen Ausrichtung „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ setzt das Unternehmen auf ein umfassendes Refinanzierungspaket.

Neben neuen Finanzierungen von bis zu EUR 300 Mio. vereinbarte das Management eine Verlängerung bestehender Kreditvereinbarungen bis in das Jahr 2030, um die Kapitalstruktur nachhaltig abzusichern.

Berenberg kappt Einstufung und Kursziel

Am 2. Oktober reagierte das Analysehaus Berenberg auf die jüngsten Entwicklungen und stufte die Lenzing-Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab. Das Kursziel senkten die Analysten dabei von EUR 29,50 auf EUR 17,00. Das Institut begründete die Rückstufung unter anderem mit den finanziellen Weichenstellungen sowie mit der Einschätzung, dass die Ergebniswirkung gestiegener Baumwoll- und Viskosepreise schwächer als ursprünglich erwartet ausfallen dürfte.

Zusätzlich verwies der Berenberg-Analyst auf eine zurückhaltende Haltung des Großaktionärs Suzano S.A. zu seiner Beteiligung an dem Faserproduzenten. Dennoch sichern die Kerninvestoren das laufende Finanzierungspaket ab: Neben Suzano S.A. verpflichteten sich auch die B&C-Gruppe und die Oberbank AG dazu, ihre Bezugsrechte bei der anstehenden Eigenkapitalmaßnahme voll auszuüben.

Bilanzumbau und Anlegerkritik

Der Umbau umfasst die Ausgabe von 34.756.362 neuen Stückaktien. Bei einem Ausgabepreis von EUR 8,65 je Aktie peilt das Unternehmen einen Bruttoerlös von rund EUR 300 Mio. an.

Medienberichten zufolge stieß dieser Festpreis am Markt jedoch auf Gegenwind: Anlegervertreter kritisierten die Konditionen und verwiesen auf das Risiko einer spürbaren Verwässerung für jene Altaktionäre, die sich nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Für die Aktionäre läuft die Frist zur Ausübung der Bezugsrechte noch bis einschließlich 20.10.2026. Der Handel der Bezugsrechte an der Wiener Börse ist bis einschließlich 14.10.2026 angesetzt. Hinweise auf den operativen Fortgang der Neuausrichtung erwarten die Marktteilnehmer zudem vom nächsten regulären Unternehmenstermin: Im Finanzkalender steht als nächster Meilenstein die Vorlage des Ergebnisses für die ersten neun Monate des Jahres 2026 an.

An der Börse spiegeln sich die tiefgreifenden Einschnitte in einer schwachen Zwischenbilanz wider. Vorbörslich steht der Titel bei 12,86 €, womit die Aktie auf Sicht von 30 Tagen ein Minus von 24 % verbucht.