Lenzing holt sich frisches Geld von den Aktionären. Der Faserhersteller startet eine vollständig garantierte Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten und will damit rund 300 Millionen Euro einsammeln. Der Bezugspreis liegt mit 8,65 Euro deutlich unter dem Marktniveau.

Die Konditionen im Überblick

Aktionäre erhalten für je 10 bestehende Aktien 9 neue Papiere. Insgesamt sollen 34.756.362 neue Aktien ausgegeben werden. Der Abschlag auf den theoretischen Preis ohne Bezugsrechte beträgt 42,50 Prozent, berechnet auf den Schlusskurs vom 30. September.

Die Aktie wird voraussichtlich ab 2. Oktober ohne Bezugsrecht gehandelt. Das Angebot steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Finanzmarktaufsicht den Prospekt billigt. Das Unternehmen erwartet dies für heute.

Die Garantie stammt von den Konsortialführern BNP Paribas, UniCredit, Commerzbank und Erste Group sowie von der Raiffeisen Bank International. Sie stützt sich auf feste Zusagen der Kernaktionäre.

Kernaktionäre ziehen mit

Das Syndikat aus B&C-Gruppe und Suzano hält indirekt rund 52 Prozent. Es hat sich unwiderruflich verpflichtet, alle Bezugsrechte auszuüben, und kauft damit neue Aktien für gut 157 Millionen Euro. Auch die Oberbank mit knapp 4 Prozent der Anteile zieht mit. Beide Seiten akzeptieren einen sechsmonatigen Lock-up.

Suzano verkauft einen Teil seiner Bezugsrechte an die B&C-Gruppe und investiert selbst rund 22,5 Millionen Euro. Nach der Maßnahme hält B&C indirekt etwa 39,6 Prozent, Suzano etwa 12,6 Prozent. Zudem bleibt Suzanos Option bestehen, bis Ende 2028 bis zu 15 Prozent von B&C zu übernehmen.

Der Vermögensverwalter Goldman Sachs Asset Management, der für NN-Gesellschaften gut 6 Prozent hält, will vorab Aktien auf ex-rights-Basis verkaufen. Der Nettoerlös von etwa 18 Millionen Euro soll die Ausübung der eigenen Bezugsrechte finanzieren.

Wofür das Geld gebraucht wird

Der Erlös soll die Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ finanzieren und die Kapitalstruktur stärken. Dazu gehören der Ausbau des Vliesstoffgeschäfts und die Fokussierung der Textilsparte auf Premiumsegmente. Die Faserproduktion in Heiligenkreuz soll Ende des ersten Quartals 2027 enden, in Grimsby Ende 2027. Der Verkaufsprozess für den Standort Purwakarta in Indonesien läuft weiter.

Ein Performance-Programm soll gegenüber 2025 rund 120 Millionen Euro einsparen. Außerdem hat Lenzing eine neue Finanzierung von bis zu 300 Millionen Euro vereinbart und bestehende Kredite bis 2030 verlängert. Mittelfristig peilt der Konzern eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 25 Prozent an, die Nettoverschuldung soll unter dem 2,5-Fachen des EBITDA liegen.

Finanzchef Mathias Breuer will den Verschuldungsgrad schrittweise senken und anstehende Fälligkeiten früh adressieren.

Der Zeitplan

Der Handel mit Bezugsrechten an der Wiener Börse läuft voraussichtlich vom 6. bis 14. Oktober. Die Bezugsfrist endet am 20. Oktober, am selben Tag ist die Privatplatzierung nicht bezogener Aktien geplant. Die neuen Aktien sollen voraussichtlich ab 23. Oktober handelbar sein, sofern die Durchführung ins Firmenbuch eingetragen ist.