Beim Faserhersteller Lenzing verschieben sich die Gewichte im Kreis der Großinvestoren. Wie das Handelsblatt gestern berichtete, trat der brasilianische Großaktionär Suzano S.A. bei der Kapitalerhöhung des Unternehmens zurück. Der Konzern überlässt dem Kernaktionär B&C-Gruppe einen Teil der Bezugsrechte und schränkt seine eigene Beteiligung an der laufenden Transaktion spürbar ein.

Laut der Unternehmensmitteilung von Anfang Oktober sieht die Einigung vor, dass Suzano Bezugsrechte für 1.757.754 neue Anteile an eine Gesellschaft der B&C-Gruppe abgibt. Das Unternehmen investiert lediglich rund 22,5 Millionen Euro an frischem Kapital. Insgesamt hatten sich die B&C-Gruppe und Suzano verpflichtet, anteilig 18.159.291 neue Aktien zu zeichnen.

Strategische Neuausrichtung und Sanierungskurs

Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden bilanziellen Sanierung. Das Management will die Mittel verwenden, um die Kapitalstruktur zu stärken und die Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ voranzutreiben. Damit soll die operative Wende im Fasergeschäft gelingen, das in den vergangenen Quartalen unter erheblichem Marktdruck stand.

Die vollständig garantierte Barkapitalerhöhung hat ein Gesamtvolumen von 34.756.362 neuen Aktien. Diese werden zu einem Bezugspreis von je 8,65 Euro ausgegeben. Lenzing peilt damit einen Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro an.

Fristen für Altaktionäre bis Ende Oktober

Die Bezugsfrist für die Aktionäre läuft voraussichtlich bis einschließlich 20. Oktober. Wer seine Bezugsrechte nicht ausüben möchte, kann diese an der Börse veräußern. Der Handel der Rechte ist bis einschließlich 14. Oktober vorgesehen. Die Lieferung und der Handelsstart der neuen Aktien sollen voraussichtlich am 23. Oktober erfolgen.

Die Belastungen durch die Kapitalmaßnahme spiegeln sich auch in den Urteilen der Analysten wider. Am 2. Oktober stufte das Analysehaus Berenberg die Lenzing-Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab. Gleichzeitig senkten die Experten ihr Kursziel von zuvor 29,50 auf 17,00 Euro.

Die Zurückhaltung der Analysten unterstreicht die Skepsis am Markt bezüglich des Tempos der operativen Erholung. Die Kombination aus hohem Kapitalbedarf und der veränderten Aufteilung zwischen den beiden Großaktionären sorgt bei den Marktteilnehmern für spürbare Verunsicherung.

Druck auf den Aktienkurs hält an

An der Börse bleibt die Stimmung für den Faserspezialisten gedämpft. Im heutigen Handel verliert die Aktie 1,9 Prozent auf 12,60 Euro.