Für Lenzing entscheidet sich die finanzielle Entlastung an zwei Punkten: dem Abschluss weiterer Finanzierungen bis Ende 2026 und einer stärkeren eigenen Mittelgenerierung. Die im Oktober abgeschlossene Kapitalerhöhung verschafft dem Unternehmen Spielraum. Für eine nachhaltige Entlastung spricht sie jedoch erst zusammen mit höheren Mittelzuflüssen aus dem Geschäft. Die gestern veröffentlichten Neunmonatszahlen zeigen hier weiterhin Belastungen.
Zusätzliche Finanzierung noch nicht vollständig unterzeichnet
Im Oktober schloss Lenzing eine Kapitalerhöhung von rund 300 Millionen Euro ab. Weitere Finanzierungen über rund 300 Millionen Euro sind bis Ende 2026 vorgesehen. Etwa die Hälfte davon war bereits verbindlich unterzeichnet.
Damit hat Lenzing einen Teil seiner finanziellen Absicherung umgesetzt. Für das Unternehmen spricht die bereits abgeschlossene Kapitalmaßnahme, sofern auch die weiteren vorgesehenen Finanzierungen zustande kommen. Anleger sollten deshalb neben den operativen Fortschritten den Vertragsabschluss für die noch ausstehenden Mittel im Blick behalten.
Die Nettoverschuldung lag Ende September bei 1,419 Milliarden Euro. Dieser Stand liegt zeitlich vor der Kapitalerhöhung. Deren Wirkung auf die spätere Verschuldung lässt sich deshalb erst anhand einer Bilanz nach Abschluss der Maßnahme beurteilen.
Schwächerer Mittelzufluss begrenzt die Entlastung
In den ersten neun Monaten 2026 erreichte der operative Cashflow 206,2 Millionen Euro. Der freie Cashflow betrug 24,7 Millionen Euro. Beide Größen gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.
Die schwächere Mittelgenerierung spricht gegen eine rasche Entschuldung aus eigener Kraft, solange sich der freie Cashflow nicht verbessert. Für Anleger wird damit wichtig, ob Lenzing die stabilisierte operative Profitabilität künftig stärker in verfügbare Mittel übersetzen kann.
Die gestern vorgelegte Bilanz liefert dafür ein gemischtes Bild: Das bereinigte EBITDA blieb bei 353 Millionen Euro stabil. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 18,3 Prozent, während der Umsatz um 2,3 Prozent sank.
Lenzing führt die verbesserte Rentabilität auf den globalen Restrukturierungsplan zurück. Das stützt die operative Perspektive, sofern die Effizienzgewinne auch bei geringerer Standardfaserproduktion Bestand haben. Zugleich beansprucht der Umbau selbst finanzielle Mittel und belastet das ausgewiesene Ergebnis.
Ergebnisziel und Schuldenabbau müssen zusammenpassen
Einmalige Restrukturierungskosten beliefen sich im Neunmonatszeitraum auf 36,6 Millionen Euro. Hinzu kamen nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 136,1 Millionen Euro für Heiligenkreuz und Grimsby. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 130,3 Millionen Euro.
Für die Finanzierungsfrage zählt besonders die weitere Entwicklung des laufenden Geschäfts. Die Wertminderungen waren nicht zahlungswirksam; der gesunkene freie Cashflow begrenzt dagegen unmittelbar den Spielraum für den Schuldenabbau.
Für 2026 erwartet Lenzing ein bereinigtes EBITDA von 430 bis 460 Millionen Euro. Mittelfristig strebt das Unternehmen außerdem eine Verschuldungsquote unter dem 2,5-Fachen an.
Die Kombination aus Kapitalerhöhung und stabilisiertem bereinigtem Ergebnis spricht für Fortschritte bei der finanziellen Neuaufstellung, sofern die übrigen Finanzierungen abgeschlossen werden. Eine dauerhafte Entlastung der Bilanz setzt zusätzlich voraus, dass nach Investitionen wieder mehr Geld im Unternehmen verbleibt. An diesem Zusammenspiel müssen sich die nächsten Fortschritte messen lassen.
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