Ein neuer Chief Operating Officer, eine der größten Bohrkampagnen der Firmengeschichte – und trotzdem bleibt der Kurs meilenweit von seinen Höchstständen entfernt. Bei Li-FT Power klaffen operative Dynamik und Marktvertrauen gerade weit auseinander.
Seit dem 20. Juli 2026 führt Jeff Reinson als neuer COO die operative Entwicklung. Der Manager bringt Erfahrung von Rio Tinto und Newmont mit. Parallel dazu hat Li-FT im Adina-Galinée-Lithiumprojekt in Québec eine Bohrkampagne mit 163 Löchern gestartet. Das ist ein klares Signal: Das Unternehmen will vom reinen Explorer zum Projektentwickler werden.
Der Kurs legte zuletzt zu – um 7,66 Prozent binnen einer Woche. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 18,48 Prozent zu Buche.
Die Marktkapitalisierung liegt bei 111,18 Millionen Euro. Das ist ein Bruchteil dessen, was das Unternehmen beim 52-Wochen-Hoch von 5,70 Euro im Januar 2026 wert war.
Die entscheidende Frage: Wird Renard zum Kostenhebel?
Für die künftige Bewertung zählt vor allem eine Sache: ob Li-FT die stillgelegte Renard-Diamantmine in Québec übernehmen und für Spodumen-Konzentrat umbauen kann. Das Obergericht von Québec hat die Option bereits vorläufig genehmigt.
Gelingt die Umwandlung, könnte Li-FT sich hunderte Millionen an Investitionen für neue Verarbeitungsanlagen sparen. Die Option hängt jedoch an einer noch ausstehenden behördlichen Genehmigung. Sie betrifft eine Aussetzung der Pflicht zur Umweltsanierung des alten Geländes. Ohne diese Freigabe bleibt der Plan blockiert.
Bull-Szenario: Hochgradige Assets, erfahrenes Management
Die Argumente für eine Höherbewertung stützen sich auf zwei Säulen: die Qualität der Lagerstätten und die neue Führungsriege.
Das Bohrprogramm 2026 in Québec umfasst knapp 39.000 Meter. Es soll die bestehende Ressourcenschätzung ausweiten und das Projekt für eine spätere Produktion absichern.
Erste Ergebnisse vom Yellowknife-Lithiumprojekt bestätigten zuletzt 26 Meter mit 1,29 Prozent Li2O – ein Gehalt, der die hochgradige Natur des Portfolios unterstreicht.
Auch der langfristige Kursverlauf spricht bislang für Geduld: Trotz der jüngsten Schwäche liegt die Aktie noch 56,25 Prozent über ihrem Niveau vor zwölf Monaten. Reinsons Erfahrung bei Rio Tinto und Newmont könnte außerdem institutionelle Investoren anziehen, sobald das Projekt Richtung Vorstudie (PFS) fortschreitet.
Bear-Szenario: Technische Schwäche und ein binäres Risiko
Dem gegenüber steht eine Kombination aus charttechnischem Druck und einem Alles-oder-Nichts-Risiko bei Renard.
Der Kurs notiert aktuell bei 2,25 Euro. Das liegt 24,37 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.
Auch zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,18 Euro fehlen noch 29,28 Prozent. Das zeigt einen mittelfristigen Abwärtstrend, der bislang nicht gebrochen ist.
Hinzu kommt eine annualisierte Volatilität von 72,72 Prozent – die Aktie reagiert extrem sensibel auf die Stimmung im Lithiummarkt. Scheitert die Renard-Option, etwa weil die behördliche Freigabe im vierten Quartal 2026 ausbleibt, müsste Li-FT zu einem kapitalintensiveren Entwicklungsmodell zurückkehren. Die Folge: eine mögliche deutliche Verwässerung der Aktionäre.
Die Jahresperformance von minus 15,41 Prozent zeigt: Selbst positive Nachrichten zum operativen Fortschritt konnten den Gegenwind im gesamten Lithiumsektor bislang nicht ausgleichen.
Ausblick: Weichenstellung im zweiten Halbjahr 2026
Solange sich der Kurs über der Unterstützung nahe 2,25 Euro hält und der RSI mit 39,2 im neutralen Bereich verharrt, spricht mehr für eine Stabilisierungsphase. Der Markt wartet auf erste Resultate der 163-Loch-Kampagne, bevor er sich neu positioniert.
Bleibt die behördliche Freigabe für die Renard-Sanierungsaussetzung in den kommenden Monaten aus, droht ein erneuter Test tieferer Kursniveaus.
Der nächste konkrete Katalysator ist die behördliche Entscheidung zur Renard-Option, erwartet im vierten Quartal 2026. Fällt sie positiv aus, eröffnet sich ein kostengünstiger Weg zur Produktion. Eine Ablehnung würde Zeitplan und Finanzierungsbedarf des Unternehmens neu zur Debatte stellen.
Zusätzlich rücken die aktualisierte Ressourcenschätzung und die Ergebnisse der vorläufigen Wirtschaftlichkeitsstudie (PEA) in den Blick. Beide dürften die Kursentwicklung bis Anfang 2027 mitbestimmen.
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