Linde übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich – und die Aktie reagiert trotzdem nur mit einem leichten Rückgang. Ein Widerspruch, der zeigt: Der Markt hatte die starken Zahlen längst eingepreist. Stattdessen richtet sich der Blick auf die nächste Wachstumswette des Industriegaskonzerns.
Gewinn über Erwartungen
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 9,289 Milliarden Dollar, ein Plus von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von 9,01 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 10 Prozent auf 4,50 Dollar. Der bereinigte operative Gewinn wuchs um 7 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar, bei einer operativen Marge von 29,5 Prozent.
Nach US-GAAP lag der Nettogewinn bei 1,928 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,15 Dollar je Aktie, nach 1,766 Milliarden Dollar beziehungsweise 3,73 Dollar im Vorjahresquartal. Trotz der soliden Zahlen gab die Aktie an der Frankfurter Börse leicht nach und notierte bei rund 436,80 Euro.
Eine Milliarde für die Chip-Fertigung
Parallel zu den Quartalszahlen meldete Linde eine neue langfristige Vereinbarung mit einem der weltweit größten Halbleiterhersteller. Der Konzern investiert rund eine Milliarde Dollar, um seinen bestehenden Industriegase-Komplex in Phoenix, Arizona, auszubauen – nach eigenen Angaben eine der größten Einzelinvestitionen für einen Elektronik-Kunden im Konzernportfolio. Geplant sind zwei zusätzliche SPECTRA-Luftzerlegungsanlagen, die die drei bereits am Standort betriebenen Anlagen ergänzen.
Der Deal reicht über die USA hinaus: Auch Linde LienHwa, das taiwanesische Gemeinschaftsunternehmen des Konzerns, wurde vom selben Kunden ausgewählt, um neue Halbleiter- und Verpackungsfertigungen an mehreren Standorten in Taiwan mit Industriegasen zu versorgen. Die Investition unterstreicht, wie stark die Chipindustrie inzwischen zum Wachstumstreiber für Linde geworden ist.
Ausblick bestätigt
Für das dritte Quartal erwartet Linde ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 4,45 und 4,55 Dollar, was einem Wachstum von 6 bis 8 Prozent entspricht. Die Jahresprognose für 2026 bleibt bei einer Spanne von 17,70 bis 17,90 Dollar je Aktie – ein Zuwachs von 8 bis 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Investitionsausgaben sollen sich im laufenden Jahr auf 5,5 bis 6,0 Milliarden Dollar belaufen. Darin enthalten ist auch die Umsetzung vertraglich gesicherter Gasprojekte im Umfang von 8,1 Milliarden Dollar, die in den kommenden Jahren sukzessive zum Umsatz beitragen sollen. Mit dem Phoenix-Investment und dem Auftragsbestand hat sich der Konzern für die kommenden Quartale bereits einen guten Teil seines Wachstumspfads gesichert.
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