Die Halbjahreszahlen von Lindt & Sprüngli offenbaren, wie tief die hohen Kakaopreise das Geschäft treffen. Der Schokoladenhersteller steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr organisch um 4,3 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken. Möglich wurde das nur durch massive Preiserhöhungen von 11,8 Prozent – während die verkaufte Menge um 7,5 Prozent einbrach.

Das Unternehmen bestätigte den Jahresausblick trotz dieser Verwerfungen. Die EBIT-Marge lag im ersten Halbjahr bei 11,2 Prozent, der operative Gewinn bei 260,2 Millionen Franken.

Regional zeigt sich ein deutliches Gefälle: Während Nordamerika um 12,7 Prozent und der Rest der Welt um 10,2 Prozent zulegten, schrumpfte der Umsatz in Europa um 2,1 Prozent. Verbraucher in den Kernmärkten reagieren also empfindlicher auf die höheren Preise als Kunden in Übersee.

Sparkurs als Reaktion auf die Kostenlast

Vor diesem Hintergrund passt der Sparkurs, den Lindt & Sprüngli am vergangenen Donnerstag ankündigte, ins Bild. Das Unternehmen strich das traditionelle Skiwochenende in Grindelwald für dieses Jahr einmalig, plant möglicherweise auch keine Weihnachtsfeier und fährt externe Weiterbildungen sowie Neueinstellungen zurück.

Betriebsbedingte Kündigungen sind derzeit nicht vorgesehen. Als Grund nannte das Unternehmen ausdrücklich die seit Ende 2023 anhaltend hohen Kakaopreise. Die Aktie reagierte auf die Meldung mit einem Rückgang von 0,9 Prozent.

Die Kombination aus Preismacht und schrumpfenden Absatzmengen zeigt, wie begrenzt der Spielraum für weitere Aufschläge ist. Lindt & Sprüngli kann die Rohstoffkosten offenbar nur teilweise über den Verkaufspreis weiterreichen, ohne Kunden zu verlieren – ein Dilemma, das sich in den internen Sparmaßnahmen widerspiegelt.

Kurs spiegelt die angespannte Lage wider

Der Aktienkurs bildet diese Gemengelage deutlich ab. Am Freitag schloss das Papier bei 8.980,00 Euro, nach einem Minus von 3,2 Prozent binnen einer Woche und einem Rückgang von 10 Prozent im Monatsvergleich.

Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 28 Prozent zu Buche. Damit notiert die Aktie nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 8.925,00 Euro, das am 3. September markiert wurde – ein Abstand von lediglich 0,6 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober bei 14.440,00 Euro trennen den Titel inzwischen 38 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 25,1 signalisiert eine überverkaufte Situation, was auf kurzfristig erschöpften Verkaufsdruck hindeuten kann, aber keine Trendwende garantiert.

Bereits im Februar hatte Berenberg die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herabgestuft und das Kursziel auf 108.770 Franken gesenkt. Die Analysten verwiesen damals auf das Risiko durch GLP-1-Abnehmmittel, die das Wachstum in der Süßwarenbranche verändern könnten – Lindt gelte bei Volumenartikeln als besonders anfällig.

Angesichts der jetzt vorliegenden Halbjahreszahlen mit deutlichem Mengenrückgang wirkt diese Einschätzung im Rückblick treffend, auch wenn sie inzwischen mehrere Monate zurückliegt.

Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die Preiserhöhungen ausreichen, um die Kakaokosten zu kompensieren, ohne die Nachfrage weiter zu schwächen. Die Halbjahreszahlen und der verschärfte Sparkurs deuten darauf hin, dass Lindt & Sprüngli diesen Balanceakt derzeit nur mit Mühe bewältigt.