Bei Lindt & Sprüngli steht auch die Führung in Deutschland in der Kritik. Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner beanstandete am 26. Oktober Medienberichten zufolge in einem Interview die Preispolitik und sah Fehler bei der deutschen Führung. Damit richtete sich seine Kritik ausdrücklich gegen Entscheidungen in einem Teil des Konzerns.
Bereits am 24. Oktober hatte Reuters nach einem Interview Tanners mit der NZZ am Sonntag berichtet, Lindt habe die Reaktion der Verbraucher auf die Preiserhöhungen falsch eingeschätzt. Tanner räumte diese Fehleinschätzung ein, lehnte einen eigenen Rücktritt aber ab.
Aktionäre kritisieren die Machtverteilung
Nach dem Abgang von Adalbert Lechner fordern Großaktionäre laut Reuters eine Verjüngung des Verwaltungsrats. Sie verlangen außerdem, die Macht des Verwaltungsratspräsidenten Tanner zu begrenzen. Ihre Kritik betrifft sowohl die Unternehmensführung als auch die Preispolitik.
Die Lindt-Aktie verlor am Freitag 1,3%. Einen eigenen unternehmensspezifischen Auslöser für diesen Tagesrückgang nannte Reuters nicht; die berichteten Auseinandersetzungen um Führung und Preise bilden den Hintergrund der jüngsten Schwäche.
Übergangsführung und offene Zukunftsfragen
Vor gut drei Wochen übernahm Dieter Weisskopf nach Unternehmensangaben mit sofortiger Wirkung interimistisch die Konzernleitung, nachdem Lechner ausgeschieden war. Die Suche nach einem Nachfolger läuft; dessen Ernennung ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen.
Auch die Perspektive nach den personellen Abgängen wurde öffentlich infrage gestellt. In einem am 22. Oktober veröffentlichten Medienkommentar hieß es, Lindt fehle nach dem Ausscheiden von CEO Adalbert Lechner und Deutschlandchef Michal Spiller ein erkennbarer Zukunftsplan. Diese Einschätzung bezog sich damit nicht allein auf die Konzernspitze, sondern auch auf den Führungswechsel in Deutschland.
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