Knapp 350 Prozent seit Jahresanfang — und jetzt eine Verschnaufpause. LPKF Laser kämpft nach dem Rekordhoch vom 22. Juni mit erhöhtem Verkaufsdruck. Die entscheidende Frage ist, ob der Kurs die Zukunftshoffnungen bereits zu weit vorweggenommen hat.
Volumen signalisiert Gewinnmitnahmen
Am 22. Juni markierte die Aktie bei 30,20 Euro ihr 52-Wochen-Hoch. Zwei Tage später notiert sie bei 26,90 Euro — rund elf Prozent darunter. Auffällig war das Handelsvolumen am Tag des Rücksetzers: 194 Prozent des normalen Tagesvolumens bei einem Minus von 4,75 Prozent. Das deutet auf gezielte Gewinnmitnahmen hin.
Auf Wochensicht steht noch ein Plus von 3,86 Prozent. Über 30 Tage beträgt das Minus 7,88 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 131,74 Prozent — ein Wert, der die Schwankungsbreite dieser Aktie klar einordnet.
Operative Realität hinkt der Bewertung hinterher
Im ersten Quartal 2026 erzielte LPKF einen Umsatz von 17,1 Mio. Euro. Das sind fast 33 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund: das schwache Solargeschäft. Das EBIT lag bei -6,9 Mio. Euro.
Positiv sticht der Auftragseingang heraus. Er kletterte auf 24,1 Mio. Euro, nach 20,5 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,4 zeigt, dass mehr Aufträge hereinkommen als ausgeliefert wird. Das Transformationsprogramm North Star half dabei, die Kostenbasis zu senken.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet LPKF einen Umsatz zwischen 105 und 120 Mio. Euro. Die bereinigte EBIT-Marge soll zwischen -3,0 und 4,5 Prozent liegen.
Advanced Packaging: Potenzial ohne Prognose
Der eigentliche Kurstreiber bleibt das Halbleitergeschäft. LPKF führt mit mehreren Kunden konkrete Gespräche über erste Produktionsanlagen im Bereich Advanced Packaging. Die LIDE-Technologie läuft bei zahlreichen Halbleiterkunden in Test- und Forschungsumgebungen. Das Unternehmen erweitert sein Angebot außerdem um das Singulieren glasbasierter Packages und laserbasiertes Bonden von Multilayer Glass Stacks.
Kein Wunder, dass Anleger hier genau hinschauen. Allerdings hat LPKF klargestellt: Potenzielle Volumenaufträge aus Advanced Packaging sind in der Jahresprognose nicht enthalten. Der Hochlauf hängt von nachgelagerten Qualifikationsschritten ab — ein Zeitplan bleibt offen.
Am 23. Juli legt LPKF den Halbjahresbericht vor. Dieser Bericht wird zeigen, ob der Auftragseingang weiter anzieht und ob das Solargeschäft die operative Basis stabilisiert. Erst dann lässt sich beurteilen, wie viel vom eingepreisten Halbleiterpotenzial tatsächlich im Zahlenwerk ankommt.
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