Eine Hauptversammlung mit Konfliktpotenzial: LPKF Laser & Electronics kämpft heute in Hannover nicht nur um seine Strategie, sondern auch um das Vertrauen seiner Aktionäre. Die Aktie gibt dabei um knapp sechs Prozent nach und notiert bei 20,40 Euro.
Streit um „North Star“
Der Kern des Konflikts ist ein klassischer Strategiestreit. Das Management setzt mit dem Programm „North Star“ auf Kostensenkungen und eine zweistellige operative Marge bis 2028. Einige Aktionäre halten das für zu defensiv. Sie fordern eine Kapitalerhöhung, um die Produktionskapazitäten im Advanced Packaging-Bereich schnell auszubauen.
Das Management lehnt das ab. Begründung: finanzielle Unabhängigkeit in einem volatilen Marktumfeld. Kein Wunder, dass diese Haltung bei Investoren auf Widerstand stößt — schließlich ist LPKF im Halbleiter-Segment technologisch gut positioniert, und die Zeit drängt.
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Ebenfalls auf der Tagesordnung: der Wechsel im Aufsichtsrat. Dr. Dirk Michael Rothweiler scheidet aus. Als Nachfolger kandidiert Dr. Arne Schneider, aktuell Vorstandschef von Elmos Semiconductor. Für 2025 schüttet LPKF keine Dividende aus. Den Bilanzgewinn von rund 7,6 Millionen Euro trägt das Unternehmen vollständig auf neue Rechnung vor.
Schwache Zahlen, starker Auftragseingang
Die Kritik der Aktionäre hat eine konkrete Grundlage. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz auf 17,1 Millionen Euro ein — ein Rückgang von 32,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBIT verschlechterte sich auf minus 6,9 Millionen Euro. Hauptgrund: das schwache Solargeschäft.
Das Bild ist jedoch nicht vollständig düster. Der Auftragseingang stieg auf 24,1 Millionen Euro — nach 20,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Book-to-Bill-Ratio erreichte 1,4. Das zeigt: die Nachfrage zieht an, die Umsätze folgen nur verzögert.
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LIDE-Technologie als Schlüssel
Besondere Hoffnungen ruhen auf der LIDE-Technologie für Advanced Packaging in der Halbleiterindustrie. LPKF befindet sich in konkreten Gesprächen mit mehreren Kunden über erste Produktionsanlagen. Erste Halbleiter-Aufträge erwartet das Unternehmen noch im zweiten Quartal 2026.
Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert LPKF einen Umsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBIT-Marge zwischen minus drei und plus 4,5 Prozent. Potenzielle Großaufträge aus dem Advanced Packaging-Bereich sind in dieser Prognose noch nicht enthalten.
Die Aktie spiegelt die Unsicherheit wider. Seit Jahresanfang hat sie sich mehr als verdreifacht, liegt aber bereits 32 Prozent unter dem Hoch von 30,00 Euro, das erst am 25. Mai erreicht wurde. Ob der Ausgang der heutigen Hauptversammlung die Strategie tatsächlich verändert, entscheidet sich in den nächsten Stunden.
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