Nach einem Kursanstieg von über 327 Prozent seit Jahresanfang hat LPKF Laser & Electronics CEO Klaus Fiedler am Donnerstagabend in einem virtuellen SdK-Anlegerforum Rede und Antwort gestanden. Kein neuer Quartalsbericht, keine Ad-hoc — aber ein Kommunikationssignal in einer Phase, in der Erwartungen und operative Zahlen weit auseinanderliegen.
Auftragseingang steigt, Umsatz bricht ein
Die Q1-Zahlen 2026 zeigen ein gespaltenes Bild. Der Umsatz fiel auf 17,1 Mio. Euro — nach 25,3 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Hauptgrund: das schwache Solargeschäft. Das EBIT rutschte auf minus 6,9 Mio. Euro ab, nach minus 3,9 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
Auf der anderen Seite stieg der Auftragseingang auf 24,1 Mio. Euro, nach 20,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Book-to-Bill-Ratio erreichte 1,4. Besonders die Segmente Development und Electronics legten beim Auftragseingang zu.
Der Auftragseingang stimmt optimistisch. Ob er sich in den nächsten Quartalen in Umsatz und Ergebnis verwandelt, bleibt die entscheidende Frage — zumal LPKF gleichzeitig auf geopolitische Spannungen und wachsenden Wettbewerbsdruck aus China hinweist.
Restrukturierung kostet Geld
Das Transformationsprogramm North Star läuft laut LPKF planmäßig. Allerdings rechnet das Unternehmen für 2026 mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungskosten — rund 3 bis 4 Prozent des Umsatzes. Das belastet das Ergebnis zusätzlich in einer Phase, in der die operative Basis ohnehin unter Druck steht.
Die Bewertung der Aktie spiegelt das kaum wider. Der Kurs von 25,70 Euro liegt 28,86 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 158,53 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 30,00 Euro, erreicht Ende Mai, fehlen noch 14 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 143,82 Prozent — das Papier bleibt ein Hochrisiko-Investment.
Halbjahresbericht im Juli als nächster Test
Das Anlegerforum setzt einen Kommunikationspunkt, liefert aber keine neuen Finanzzahlen. Den nächsten harten Datenpunkt gibt es am 23. Juli 2026: Dann veröffentlicht LPKF den 6-Monats-Finanzbericht 2026.
Bis dahin richtet der Markt den Blick auf zwei Fragen: Setzt sich der bessere Auftragseingang aus Q1 fort? Und wie stark fressen die Restrukturierungskosten ins Ergebnis? Der Abstand zwischen operativer Verbesserung und der bereits eingepreisten Erwartung ist groß — der Halbjahresbericht wird zeigen, wie viel davon berechtigt war.
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