Der US-Elektroautobauer Lucid sieht sich an den Finanzmärkten mit zunehmender Skepsis konfrontiert. Die Zurückhaltung der Experten folgt auf schwache operative Daten des dritten Quartals, in denen der Hersteller hinter den Markterwartungen zurückblieb.
Die Aktie verliert heute 7,3 Prozent und notiert bei 3,52 US-Dollar. Mit diesem Stand markiert der Titel zugleich sein 52-Wochen-Tief. Der Kurs spiegelt die anhaltenden Sorgen der Marktteilnehmer über die Absatzdynamik und den Kapitalbedarf des Unternehmens wider.
Drosselung der Fertigung im dritten Quartal
Hintergrund der Neubewertungen ist die operative Entwicklung im abgelaufenen Jahresviertel. Lucid lieferte im dritten Quartal 3.806 Fahrzeuge aus, was einem Rückgang von knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Damit verfehlte der Hersteller die Prognosen der Branchenanalysten, die im Konsens von 4.687 Auslieferungen ausgegangen waren, um 18,8 Prozent.
Gleichzeitig drosselte der Konzern die Fertigung massiv. Mit 2.954 hergestellten Fahrzeugen sank die Produktion im Vergleich zum Vorquartal um 38 Prozent. Im Werk im US-Bundesstaat Arizona strich das Management die zweite Arbeitsschicht, um den Aufbau weiterer Lagerbestände zu bremsen.
Restrukturierung unter neuem Management
Um den Barmittelverbrauch einzudämmen, treibt der seit Juni amtierende Vorstandschef Silvio Napoli ein Sparprogramm voran. Neben der Reduzierung des Schichtbetriebs verringerte das Unternehmen die Belegschaft in den USA um 18 Prozent, was rund 1.500 Stellen entspricht. Diese operativen Einschnitte sollen die jährlichen Kosten um 158 Millionen US-Dollar senken.
Das Management zielt im Gesamtjahr auf eine Cashflow-Verbesserung von rund 1,4 Milliarden US-Dollar ab. Neben niedrigeren Betriebs- und Investitionsausgaben soll dazu vor allem der Abbau der bestehenden Fahrzeugbestände beitragen. Zusätzliche Entlastung bei den Ausgaben bringt die Verschiebung des Serienstarts der neuen Midsize-Plattform, die das Unternehmen vor gut drei Wochen ankündigte.
Saudischer Staatsfonds als Kreditgeber
Trotz der Sparanstrengungen bleibt Lucid auf externe Mittel angewiesen. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden Anfang Oktober weitere 400 Millionen US-Dollar aus einer Kreditfazilität mit der Ayar Third Investment Company abgerufen, einer Tochtergesellschaft des saudi-arabischen Public Investment Fund.
Durch diese Inanspruchnahme belaufen sich die ausstehenden Kredite unter der Vereinbarung auf rund 2,1 Milliarden US-Dollar. Aus der Kreditlinie mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden US-Dollar verbleibt damit noch ein Spielraum von 400 Millionen US-Dollar.
Wie sich die Einsparungen und die gedrosselte Produktion auf die Bilanz auswirken, wird der vollständige Finanzbericht für das dritte Quartal zeigen, dessen Veröffentlichung für den 9. November nach US-Börsenschluss angesetzt ist.
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