Bei der Ludwig Beck am Rathauseck – Textilhaus Feldmeier AG überschneiden sich derzeit ein laufendes Übernahmeangebot, schwächere Halbjahreszahlen und ein Wechsel an der Unternehmensspitze. Die Münchner Kaufhausgesellschaft steckt mitten in einem Prozess, der auf den Rückzug von der Börse hinausläuft.

Pflichtangebot mit Frist bis 18. August

Die Bayerische Gewerbebau AG hat am 21. Juli die Annahmefrist für ihr Pflichtangebot und gleichzeitiges Delisting-Erwerbsangebot an die Ludwig-Beck-Aktionäre gestartet. Sie bietet 23,16 Euro je Aktie in bar. Die Frist läuft bis zum 18. August. Grundlage ist eine Delisting-Vereinbarung, die Ludwig Beck bereits im Juni mit der Mehrheitsaktionärin geschlossen hatte – diese hält inklusive ihrer Tochtergesellschaften rund 78,17 Prozent der Stimmrechte. Im Zuge der Vereinbarung verpflichtete sich die Gesellschaft, nach Veröffentlichung des Angebots den Widerruf der Zulassung zum Prime Standard zu beantragen.

Der Aktienkurs notiert aktuell bei 23,00 Euro und liegt damit nur noch knapp unter dem Offertenpreis von 23,16 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt mit einer weitgehend reibungslosen Abwicklung des Angebots rechnet. Zugleich hat sich das Papier von seinem 52-Wochen-Tief bei 11,60 Euro, notiert am 15. Dezember 2025, um 98,28 Prozent erholt. Auf Sicht der vergangenen 30 Tage gab der Kurs dagegen um 10,16 Prozent nach, nachdem die Übernahmefantasie im Frühsommer für den größten Teil des Anstiegs gesorgt hatte.

Halbjahreszahlen zeigen operativen Druck

Parallel zum Übernahmeprozess veröffentlichte Ludwig Beck am 28. Juli seinen Halbjahresfinanzbericht 2026. Der Bruttoumsatz sank um 1,9 Prozent auf 37,1 Millionen Euro, nach 37,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Operativ rutschte das Unternehmen mit einem EBIT von minus 0,8 Millionen Euro in die roten Zahlen. Unter dem Strich verbuchte die Gesellschaft ein Periodenergebnis nach Steuern von minus 2,6 Millionen Euro. Die schwächeren Geschäftszahlen fallen in eine Phase, in der die strategische Zukunft des Unternehmens als eigenständig börsennotierte Gesellschaft ohnehin zur Disposition steht – für die laufende Übernahme dürften sie kaum noch entscheidend sein, da der Ausgang durch die Mehrheitsbeteiligung der Bayerischen Gewerbebau AG bereits weitgehend vorgezeichnet ist.

Vorstandswechsel und Insiderverkäufe vor dem Delisting

Bereits Anfang Juli hatte Ludwig Beck per Ad-hoc-Mitteilung bekanntgegeben, dass Vorstandsvorsitzender Christian Greiner im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. August aus dem Vorstand sowie aus der Geschäftsführung der Ludwig Beck Beteiligungs GmbH ausscheidet. Der Zeitpunkt fällt damit fast exakt mit dem Ende der Angebotsfrist zusammen. Bereits im Juni war zudem der Aufsichtsratsvorsitzende aus dem Kontrollgremium ausgeschieden.

Kurz vor der Bekanntgabe seines Rückzugs hatte Greiner über die Christian Rudolf Greiner Verwaltungs GmbH einen größeren Aktienbestand abgegeben: Am 17. Juni verkaufte die Gesellschaft 950.399 Aktien zu einem Kurs von 15,66 Euro, was einem Gesamtvolumen von rund 14,88 Millionen Euro entspricht. Zeitgleich trennte sich die Consens Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH von 4.000 Anteilen zum identischen Kurs. Die Transaktionen erfolgten deutlich unter dem später veröffentlichten Angebotspreis von 23,16 Euro je Aktie.

Für Anleger bleibt der Blick nach vorn überschaubar: Die Annahmefrist des Angebots läuft noch bis zum 18. August, danach dürfte der angestrebte Rückzug von der Börse konkrete Formen annehmen. Am 22. Oktober ist zudem die Veröffentlichung der Konzernquartalsmitteilung zum 30. September geplant – ob es dazu angesichts des laufenden Delisting-Verfahrens noch in gewohnter Form kommt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.