Der Konzern dreht an der Stellschraube. Statt immer mehr Flüge anzubieten, streicht Lufthansa das Angebot massiv zusammen. Allein im Sommerprogramm 2026 fallen rund 20.000 Verbindungen weg.
Das Ziel: Profitabilität statt Volumenwachstum. Konzernvorstand Dieter Vranckx bestätigte die Neuausrichtung am Mittwoch. Unrentable Direktverbindungen außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München werden gestrichen. Die Langstrecke über die großen Hubs rückt in den Fokus.
Bis 2028 soll eine bereinigte Ergebnismarge von acht bis zehn Prozent erreicht sein.
Rückenwind aus Berlin
Ein politischer Entscheid gibt zusätzlichen Schub. Der Bundesrat stimmte der Senkung der Luftverkehrssteuer zu. Die Abgabe pro Ticket sinkt ab Juli um 2,50 bis 11,40 Euro – je nach Flugdistanz.
Für Lufthansa bedeutet das eine Entlastung im mittleren dreistelligen Millionenbereich pro Jahr. Die Kerosinpreise bleiben zwar hoch. Passagiere müssen weiter mit teuren Tickets rechnen. Für die Aktionäre verbessert sich die Ertragslage spürbar.
Der Markt reagiert positiv. Die Aktie notiert bei 8,86 Euro. In den vergangenen sieben Tagen legte das Papier um 7,32 Prozent zu. Die positive Tendenz zeigt sich auch über den Monat: plus 15,67 Prozent.
Expansion in Südeuropa
Parallel zur operativen Straffung treibt Lufthansa die Expansion voran. Im Juni zieht der Konzern die Kaufoption für ITA Airways. Für 325 Millionen Euro steigt der Anteil von 41 auf 90 Prozent. Die Integration der italienischen Airline ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Diese strategische Stärkung nährt Spekulationen über eine Rückkehr in den DAX. Die gestiegene Marktkapitalisierung und verbesserte Liquidität könnten für den Aufstieg in die erste Börsenliga reichen.
Vorsichtige Analysten
Trotz des Kursanstiegs bleiben die Experten zurückhaltend. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 8,36 Euro. Der Relative-Stärke-Index (RSI) steht bei 64,6 – leicht überkauft, aber nicht kritisch.
Das Wartungsgeschäft bleibt ein stabilisierender Faktor. Lufthansa Technik präsentiert aktuell auf der Messe „MRO BEER“ in Istanbul neue Triebwerksservices. Diese Erträge gleichen die Schwankungen im Passagierverkehr zum Teil aus. Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten bleiben ein Unsicherheitsfaktor.
Der Fahrplan für 2026 ist klar: mehr Marge, weniger Überkapazität, Integration von ITA. Die Weichen sind gestellt.
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