Die Deutsche Lufthansa AG treibt den Umbau ihrer Konzernstruktur und die Konsolidierung ihrer Marktposition voran. Am heutigen Freitag wurden umfassende Personalentscheidungen für die Führungsebenen mehrerer Tochtergesellschaften bekannt, während das Unternehmen gleichzeitig mit einer neuen Klage der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit konfrontiert wird. Parallel dazu konkretisieren sich die Expansionspläne in Südeuropa und die Sparmaßnahmen in der Verwaltung der Kernmarke.

Neubesetzungen im Top-Management und juristischer Druck

In der Führungsebene der Lufthansa Group kommt es im Herbst zu weitreichenden Veränderungen. Wie das Unternehmen mitteilte, wird Edi Wolfensberger zum 1. Oktober neuer CEO der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss und tritt damit die Nachfolge von Bernd Bauer an. Zeitgleich übernimmt Matthias Spohr den Posten des Chief Operating Officer (COO) bei der Tochter Eurowings. Eine weitere wichtige Personalie betrifft Lufthansa City Airlines: Hier wurde Michael Kircher mit Wirkung zum 1. November zum CEO ernannt. Diese Neubesetzungen zielen darauf ab, die operativen Einheiten für die kommenden Herausforderungen im europäischen Wettbewerb zu rüsten.

Überschattet werden diese organisatorischen Schritte von einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Arbeitnehmerseite. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat heute Klage gegen die Deutsche Lufthansa AG eingereicht. Ziel der Gewerkschaft ist es, gerichtlich einen digitalen Zugang zu den dienstlichen E-Mail-Adressen der Piloten zu erzwingen. Die VC beabsichtigt, diesen Kommunikationsweg künftig für Zwecke der Mitgliederwerbung zu nutzen, was das Unternehmen bislang verwehrt.

Expansion in Südeuropa und Effizienzsteigerung

Auf der strategischen Ebene hat der Konzern gestern einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Lufthansa Group gab bei der portugiesischen Staatsholding Parpública ein verbindliches Angebot für den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der nationalen Fluggesellschaft TAP Air Portugal ab. Im Fokus steht dabei insbesondere die Sicherung des Drehkreuzes in Lissabon, das als zentrales Tor für Verbindungen über den Südatlantik gilt. Diese Offerte ergänzt die laufende Übernahme von ITA Airways. Hier hat der Aufsichtsrat bereits der Ausübung einer Option zugestimmt, weitere 49 Prozent der Anteile vom italienischen Finanzministerium für 325 Millionen Euro zu erwerben. Damit wird die Beteiligung auf 90 Prozent steigen, wobei der Abschluss dieser Transaktion für das erste Quartal 2027 erwartet wird.

Um die Kostenbasis zu senken, startete das Unternehmen am Dienstag das Freiwilligenprogramm „New Ways“. Dieses Programm sieht den Abbau von bis zu 550 Vollzeitstellen in der Verwaltung der Kernmarke Lufthansa Airlines sowie in Zentralbereichen vor. Medienberichten zufolge ist diese Maßnahme Teil eines umfassenden Sparplans, der bis zum Jahr 2030 den Wegfall von insgesamt 4.000 Stellen im Konzern vorsieht. Ziel ist es, die Verwaltung schlanker und effizienter zu gestalten, um die Profitabilität nachhaltig zu sichern.

Analysteneinschätzungen und Marktreaktion

Die Aktie der Lufthansa reagiert am heutigen Handelstag mit einer stabilen Tendenz auf die Nachrichtenlage und notiert bei 9,07 Euro, was einem Zuwachs von 0,24 Prozent entspricht. Mit einer Marktkapitalisierung von 10,69 Milliarden Euro spiegelt die Bewertung die aktuelle Restrukturierungsphase des Konzerns wider. Das Papier liegt damit derzeit 1,18 Prozent über seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt.

Die Analystenhäuser zeigen sich in ihren jüngsten Bewertungen uneins über die kurzfristige Entwicklung. Die Experten von Goldman Sachs hoben am 18. Juli ihr Kursziel für den MDax-Wert an. Demgegenüber steht eine Einschätzung der Citigroup vom 8. Juli, bei der die Experten die Einstufung der Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ senkten und ein Kursziel von 8,70 Euro ausgaben.

Anleger richten ihren Blick nun auf den kommenden Dienstag, den 4. August. An diesem Tag wird die Lufthansa Group ihren detaillierten Bericht zum zweiten Quartal vorlegen. Im anschließenden Analysten-Call werden weitere Informationen zum Fortschritt der Integrationsprojekte in Italien und Portugal sowie zum Stand der Sparmaßnahmen erwartet.