Lufthansa bleibt im MDAX – und das könnte für die Aktie sogar von Vorteil sein. Am Freitag verpasste der Kranich-Konzern erneut den Sprung in den Dax, während das Papier zeitgleich mit einer wichtigen Personalie bei der Wartungstochter Lufthansa Technik aufwartete. Beide Nachrichten zusammen zeichnen das Bild eines Konzerns, der operativ und strukturell in Bewegung bleibt, während der Aktienkurs unter Druck steht.
Gloy übernimmt die Spitze der Technik-Sparte
Lufthansa Technik bekommt einen neuen Chef: Harald Gloy, bislang Chief Operating Officer der Sparte, wird künftig als CEO die Geschicke des Wartungsgeschäfts lenken. Er tritt die Nachfolge von Soeren Stark an, der Anfang Februar 2027 in den Ruhestand geht.
Die Bekanntgabe erfolgte am Freitag, Stark bleibt bis zur Übergabe im Amt. Gloy soll die Position für fünf Jahre besetzen – ein Signal für Kontinuität in einem Geschäftsfeld, das für Lufthansa zunehmend als stabiler Ertragspfeiler neben dem volatileren Passagiergeschäft gilt.
Dax-Aufstieg erneut verfehlt – kein Nachteil für die Aktie
Zum wiederholten Mal hat Lufthansa den Sprung in den Dax nicht geschafft. Historisch betrachtet ist das für die Aktie jedoch keine schlechte Nachricht: Unternehmen, die frisch in den Leitindex aufsteigen, entwickeln sich im Anschluss häufig schlechter als der Gesamtmarkt. Der MDAX, in dem Lufthansa somit verbleibt, schloss die Sitzung am Freitag mit einem Plus von 0,39 Prozent bei 32.382,52 Punkten.
Die Lufthansa-Aktie selbst notierte am Freitag bei 7,86 Euro und legte im Tagesverlauf um 1,7 Prozent zu. Der Kurs bleibt damit aber deutlich unter Druck: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 9,3 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro klafft eine Lücke von 23 Prozent.
Der jüngste Tagesgewinn ändert wenig an der grundsätzlich angeschlagenen charttechnischen Verfassung – der Kurs notiert weiterhin 9,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
Schlichtung mit Piloten läuft parallel
Neben der Personalie bei Lufthansa Technik und der Indexfrage bleibt ein weiterer Baustein für Anleger relevant: Der Tarifkonflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit befindet sich in Schlichtung und Mediation. Bodo Ramelow vertritt dabei die Gewerkschaftsseite, Roland Koch die Unternehmensseite.
Ein Mediationsvorschlag soll bis zum 15. November vorliegen, das Gesamtverfahren bis Jahresende abgeschlossen sein. Streitpunkte sind Betriebsrenten und Gehaltstabellen – Themen, die perspektivisch die Kostenstruktur des Konzerns beeinflussen könnten.
Zusätzlich dünnt Lufthansa im kommenden Winter das Langstreckenangebot aus: Zwischen Frankfurt und New York JFK soll künftig nur noch ein täglicher A350-Umlauf stattfinden, ein zweiter täglicher Flug entfällt. Sechs A350-900 bleiben dennoch in Frankfurt stationiert – ein Hinweis darauf, dass die Kapazitätsreduktion eher taktischer Natur ist als ein grundsätzlicher Rückzug von der Route.
Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Auf der operativen Ebene bringt Lufthansa mit dem CEO-Wechsel bei der Technik-Sparte Kontinuität in ein margenstarkes Segment, während die Kernfragen bei Personalkosten und Netzwerkstrategie noch ungelöst sind. Die Aktie dürfte bis zur Klärung der Pilotenschlichtung im November volatil bleiben.
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