Der Reisesommer lief besser als befürchtet, doch für Lufthansa ist das Bild gemischt. Rückenwind kommt aus Berlin, Gegenwind vom Golf. Hinzu kommt eine kleine Versorgungsfrage am Heimatflughafen Frankfurt.

Kerosin: Vorsicht, kein Engpass

Die Airline erwartet keine Flugstreichungen wegen eines möglichen Kerosinmangels in Frankfurt. Eine Sprecherin sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. Crews nehmen bei Flügen nach Frankfurt zusätzlichen Treibstoff auf, um die Vorräte vor Ort zu schonen. Die Maßnahme zeige bereits Wirkung und solle in absehbarer Zeit enden.

Hintergrund ist eine reduzierte Kapazität der Kerosin-Pipelines, von denen eine gerade gewartet wird. Der Flughafenbetreiber Fraport bestätigte das. Als möglicher Belastungsfaktor gilt zudem der niedrige Rheinpegel, der Tankschiffe einschränkt. Fraport verweist auf Speicher, die für den Bedarf von rund zehn Tagen ausgelegt sind. Die Betriebsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt.

Die Aktie legte im Handel zuletzt gut zwei Prozent zu und notierte bei 59,75 Euro. Ein Zusammenhang mit der Meldung ist allerdings nicht belegt.

Steuer runter, Fernstrecke unter Druck

Seit dem 1. Juli 2026 gilt eine gesenkte Luftverkehrsteuer, zurück auf das Niveau vor Mai 2024. Auf der Kurzstrecke sinkt sie um 2,50 Euro je Passagier, auf der Mittelstrecke um 6,33 Euro, auf der Langstrecke um 11,40 Euro. Ob die Entlastung beim Kunden ankommt, entscheiden die Airlines. Die Bundesregierung räumt das selbst ein. Für Anbieter mit großem Streckennetz eröffnet das Spielraum bei den Margen.

Das Geschäft mit Fernreisen leidet derweil. Seit Ende Februar, dem Beginn des Kriegs zwischen Israel, den USA und Iran, hat Lufthansa wie Emirates und Qatar Airways zahlreiche Verbindungen in die Golfregion gestrichen. Das Auswärtige Amt sprach mehrere Reisewarnungen aus. Im Veranstaltermarkt brachen Fernreisen im Sommer um 14 Prozent ein.

Besser lief es am Mittelmeer. Das östliche Mittelmeer legte beim Umsatz um acht Prozent zu, das spanische Festland um elf Prozent. Die Nachfrage nach Kurz- und Mittelstrecke bleibt damit stabil, genau dort wirkt auch die Steuersenkung am stärksten.

Winter bleibt schwächer

Der Branchenausblick fällt durchwachsen aus. Für den Winter 2026/27 liegt der Veranstalterumsatz derzeit zwei Prozent unter Vorjahr, weil Fernreisen dann einen höheren Marktanteil haben. Besonders schwach laufen die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA. Für den Sommer 2027 stehen bereits acht Prozent mehr in den Büchern.

Dazu passt das Konsumumfeld: Das Konsumklima fiel für Oktober auf minus 30,6 Punkte, die Sparneigung ist so hoch wie zuletzt um 2008. Der Haupturlaub bleibt für viele Haushalte gesetzt, gespart wird an Zweitreisen und Kurztrips. Diese Zweitreisen sind für Fluggesellschaften ein wichtiger Auslastungsbaustein.

Konkret wird es für die Lufthansa beim Winterflugplan: Solange die Golf-Drehkreuze eingeschränkt bleiben, dürfte die Fernstrecke der schwächste Teil des Geschäfts bleiben, während Mittelmeer-Routen den Sommer 2027 tragen könnten.