Ein Tag, zwei Gesichter: Noch am Montag hatten sinkende Ölpreise der Lufthansa-Aktie Auftrieb gegeben. Am Dienstag folgt die Ernüchterung. Vorbörslich verliert das Papier 4,5 Prozent auf 8,82 Euro — und rückt damit gefährlich nahe an das Juli-Tief von 8,454 Euro heran.

Auslöser sind die Quartalszahlen und eine Prognoseanpassung, die Anleger nicht goutieren. Der Konzern hält für das laufende Jahr nun auch einen Rückgang des operativen Ergebnisses gegenüber 2025 für möglich — noch vor wenigen Monaten hatte Vorstandschef Carsten Spohr ein deutliches Plus in Aussicht gestellt.

Kerosin und Streiks drücken auf die Marge

Die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, woran es hakt. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro zu, das bereinigte EBIT brach jedoch um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein. Die operative Marge schrumpfte von 8,4 auf 3,4 Prozent.

Hauptgrund waren die Treibstoffkosten, die rund 750 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lagen. Streiks kosteten den Konzern zusätzlich mindestens 150 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 123 Millionen Euro übrig, nach knapp einer Milliarde Euro im Vorjahreszeitraum — deutlich weniger, als der Markt mit 331 Millionen Euro erwartet hatte.

Auch beim freien Cashflow verfehlte Lufthansa die Erwartungen klar: minus 365 Millionen Euro standen einer Konsensschätzung von minus 50 Millionen Euro gegenüber. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch einen positiven Cashflow erwirtschaftet.

Neue Ergebnis-Spanne, weniger Wachstum

Statt eines „signifikant“ über dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro liegenden EBIT nennt der Konzern nun eine Bandbreite von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Nur am oberen Rand dieser Spanne würde das ursprüngliche Ziel noch erreicht. Parallel dazu kappte Lufthansa die Wachstumspläne im Passagiergeschäft: Statt eines Kapazitätsplus von bis zu zwei Prozent soll das Angebot nun lediglich auf Vorjahresniveau verharren.

Spohr verwies auf ein „anspruchsvolles“ Quartal voller geopolitischer Unsicherheiten. Die Nachfrage bezeichnete er trotz allem als intakt, insbesondere in den Premiumklassen mit höheren Durchschnittserlösen.

Ob die Aktie das Juli-Tief bei 8,454 Euro hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen entscheiden. Weitere Details zu Buchungszahlen und Tarifen stehen noch aus — sie werden zeigen, wie belastbar die neue Ergebnis-Spanne tatsächlich ist.