Bei Lumentum rückt der Ausblick stärker in den Mittelpunkt als das abgelaufene Quartal. Bernstein erwartet in seiner heutigen Vorschau Umsatz und Gewinn im Rahmen des Marktkonsenses. Für das laufende Quartal halten die Analysten jedoch eine optimistischere Unternehmensprognose für möglich. Der nächste Prüfstein sind die für den 5. November nach Börsenschluss erwarteten Geschäftszahlen.
Damit liegt die entscheidende Frage nicht allein darin, ob Lumentum die Erwartungen erfüllt. Wichtiger wird, wie schnell die hohe Nachfrage nach optischen Komponenten in zusätzliche Erlöse und Gewinne mündet. Eine mögliche Anhebung des Ausblicks ist dabei eine Analystenerwartung – keine bereits angekündigte Entscheidung des Unternehmens.
Hohe Erwartungen an Umsatz und Margen
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 rechnet Bernstein mit einem Umsatz von 1,254 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Gewinn von 4,18 US-Dollar je Aktie. Diese Schätzungen liegen nach Einschätzung des Hauses im Rahmen des Konsenses.
Ein bloßes Erreichen dieser Erwartungen wäre daher noch keine positive Überraschung. Den größeren Spielraum sehen die Analysten beim anschließenden Quartal. Für Anleger kommt es darauf an, ob die Unternehmensführung diese Zuversicht mit ihrem Ausblick untermauert.
Bernstein prognostiziert für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,497 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn je Aktie von 5,15 US-Dollar. Für das erste Quartal setzt das Haus zudem eine Bruttomarge von 52% an.
Die erwartete Entwicklung betrifft damit nicht nur das Geschäftsvolumen. Auch die Profitabilität gehört zum Prüfprogramm. Bernstein hält an seiner Empfehlung „Outperform“ fest und bleibt damit trotz des jüngsten Rücksetzers grundsätzlich positiv.
Volle Auftragsbücher sind noch keine Erlöse
Die Nachfrage liefert weiterhin ein starkes Argument für Lumentum. CEO Michael Hurlston zufolge sind die Komponenten für 2029 nahezu ausverkauft. Sechs Monate zuvor hatte er noch mit einem Ausverkauf bis 2028 gerechnet.
Die längere Auslastungsperspektive stützt die Wachstumsstory. Sie beseitigt aber nicht die operative Herausforderung: Bestellungen lassen sich nur dann in Umsatz verwandeln, wenn entsprechende Lieferkapazitäten verfügbar sind. Hohe Nachfrage und kurzfristig realisierbares Geschäft sind deshalb getrennt zu betrachten.
Bei bestimmten Produkten kann Lumentum bis nächstes Jahr rund 70% der Nachfrage nicht bedienen. Bei anderen bleiben bis 2028 rund 30% ungedeckt.
Für die anstehenden Zahlen bedeutet das: Die Nachfrageaussagen allein beantworten die Anlegerfrage nicht. Entscheidend ist, welchen Umsatz- und Ergebnisausblick Lumentum daraus ableitet. Genau hier setzt Bernsteins Erwartung einer möglicherweise optimistischeren Prognose an.
Die Bewertung verlangt belastbares Wachstum
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 45,70 und damit rund 22% über dem Fünfjahresdurchschnitt von 37,51. Die Bewertung enthält somit bereits einen Aufschlag gegenüber dem historischen Niveau.
Dieser Aufschlag macht die Umsetzung der Wachstumserwartungen besonders wichtig. Volle Auftragsbücher können die langfristige Perspektive stützen; für die Bewertung zählen zugleich die tatsächlich erzielten Ergebnisse und der nächste Ausblick.
Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Gewinnwachstum je Aktie von 151,24% erwartet, für das Folgejahr von 64,80%. Das sind hohe Schätzungen, keine bereits gemeldeten Ergebnisse. Der kommende Bericht muss deshalb vor allem zeigen, ob Lumentums Prognose die erwartete Wachstumsdynamik weiterhin trägt.
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