LyondellBasell Aktie: Verlust verschärft!

Der Chemiekonzern meldet einen deutlichen Verlust im vierten Quartal 2025, übertrifft aber Umsatzerwartungen. Trotz schwieriger Marktbedingungen bleibt die Liquiditätsposition robust.

LyondellBasell Industries Aktie
Kurz & knapp:
  • Quartalsverlust übertrifft Analystenschätzungen deutlich
  • Umsatzentwicklung übertrifft Erwartungen
  • Solide Cashflow-Generierung trotz schwieriger Märkte
  • Drastische Kürzung der Investitionsausgaben für 2026

Der Chemiekonzern kämpft weiter mit massiven Herausforderungen. Das vierte Quartal 2025 brachte einen Verlust von 140 Millionen Dollar – das entspricht 0,45 Dollar je Aktie. Zwar fiel das Minus deutlich geringer aus als im Vorjahresquartal (603 Millionen Dollar Verlust), doch die bereinigte Rechnung offenbart die ganze Schwere der Lage: Mit einem Verlust von 0,26 Dollar je Aktie verfehlte LyondellBasell die Analystenschätzungen von 0,20 Dollar Gewinn um kolossale 230 Prozent.

Der Umsatz entwickelte sich hingegen robust. Mit 7,09 Milliarden Dollar übertraf das Unternehmen die Erwartungen von 6,8 Milliarden um gut vier Prozent. Für das Gesamtjahr 2025 summierte sich der Fehlbetrag auf 738 Millionen Dollar.

Margen unter historischem Druck

Die Ertragslage bleibt dramatisch angespannt. CEO Peter Vanacker sprach von „einigen der schwierigsten Marktbedingungen“ seiner Karriere. Die Industriemargen lagen etwa 45 Prozent unter den historischen Durchschnittswerten – ein noch drastischerer Einbruch als bereits 2024. In Nordamerika erreichten die Polyolefin-Margen den tiefsten Stand seit über einem Jahrzehnt.

Mehrere Faktoren belasten das Geschäft gleichzeitig: globale Handelsstörungen, schwache Nachfrage nach langlebigen Gütern, ein ungünstiges Öl-Gas-Verhältnis, anhaltende weltweite Kapazitätserweiterungen sowie in Europa verschärfter Importwettbewerb bei strukturell höheren Energiekosten.

Cashflow-Stärke als Lichtblick

Trotz der widrigen Umstände erwies sich die Liquiditätsposition als solide. LyondellBasell generierte 2,3 Milliarden Dollar aus operativem Geschäft bei einer beeindruckenden Cash-Conversion-Rate von 95 Prozent. Das Unternehmen beendete das Jahr mit 3,4 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln und einer Gesamtliquidität von 8,1 Milliarden Dollar.

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Das 2025 eingeführte Cash-Improvement-Programm übertraf das ursprüngliche Ziel von 600 Millionen deutlich und erreichte 800 Millionen Dollar. Das Management hob daraufhin das Gesamtziel für Ende 2026 von 1,1 auf 1,3 Milliarden Dollar an. Für 2026 allein peilt der Konzern zusätzliche 500 Millionen Dollar ein.

Bemerkenswert: Der Personalbestand wurde um 1.350 Mitarbeiter oder sieben Prozent reduziert – der niedrigste Stand seit 2018.

Kapitalausgaben drastisch gekürzt

Für 2026 plant LyondellBasell Investitionen von lediglich 1,2 Milliarden Dollar – deutlich unter den historischen zwei Milliarden. Davon entfallen 800 Millionen auf Instandhaltung und 400 Millionen auf Wachstumsprojekte, darunter die Fertigstellung der MoReTec-1-Anlage in Köln, die 2027 in Betrieb gehen soll.

Größere Wachstumsinvestitionen wie Flex-2 und MoReTec-2 wurden verschoben. Die niedrigeren Ausgaben resultieren auch aus aufgeschobenen Turnarounds: 2026 sind nur zwei geplant statt der üblichen drei bis vier.

Europa-Verkauf auf Zielgeraden

Der geplante Verkauf von vier europäischen Anlagen schreitet planmäßig voran. Die behördlichen Prüfungen und Konsultationen laufen, die Transaktion soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Dies markiert einen bedeutenden Schritt zur Neuausrichtung des globalen Portfolios.

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Branchenkonsolidierung nimmt Fahrt auf

Vanacker sieht erste Zeichen der Hoffnung. Die angekündigten oder bereits realisierten Kapazitätsschließungen belaufen sich mittlerweile auf über 23 Millionen Tonnen Ethylen-Kapazität seit 2020 – Tendenz steigend. Allein in Europa wurden bereits fünf Millionen Tonnen stillgelegt, weitere zwei Millionen sind angekündigt.

Besonders interessant: China diskutiert verschärfte Anti-Involutions-Maßnahmen, darunter höhere Mindestgrößen für Cracker (500 statt 300 Kilotonnen) und eine neue Naphtha-Verbrauchssteuer von 300 Dollar pro Tonne für nicht-integrierte Händler. Diese Regulierungen könnten erheblichen Druck auf die 11 Millionen Tonnen nicht-integrierter Ethylen-Cracker-Kapazität in China ausüben.

Erste Quartal 2026: Vorsichtige Erholung?

Kann sich die Stimmung drehen? LyondellBasell zeigt sich für das laufende Quartal verhalten optimistisch. Niedrige Lagerbestände, wetterbedingte Produktionsausfälle durch Wintersturm Fern und saisonale Nachfragebelebung stützen angekündigte Polyethylen-Preiserhöhungen.

Das Unternehmen plant, die nordamerikanischen Anlagen im ersten Quartal mit 85 Prozent Auslastung zu fahren, in Europa mit 75 Prozent. Die Börse reagierte zunächst positiv: Im vorbörslichen Handel stieg die Aktie um 3,8 Prozent auf 51,85 Dollar.

Vanacker formulierte es drastisch: „Je länger wir am Tiefpunkt des Zyklus verharren, desto näher kommen wir dem Aufschwung.“ Ob diese Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die angekündigten Kapazitätsschließungen greifen und ob die makroökonomischen Rahmenbedingungen eine nachhaltige Nachfrageerholung zulassen.

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Über Dr. Robert Sasse 1383 Artikel

Dr. Robert Sasse: Ökonom, Unternehmer, Finanzexperte

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom, erfahrener Unternehmer und anerkannter Experte für Finanzmärkte. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Analyse von Aktienmärkten und wirtschaftlichen Zusammenhängen verbindet er wissenschaftliche Fundierung mit unternehmerischer Praxis. Er unterstützt Anleger, die langfristigen Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit durch fundierte Strategien anstreben.

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Dr. Sasses Laufbahn ist geprägt von akademischer Exzellenz und praktischer Marktkenntnis. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und hält einen Master of Science in Marketing und Sales sowie einen Abschluss als Betriebswirt. Bereits während und nach dem Studium sammelte er in renommierten Analystenhäusern und Unternehmen tiefgreifende Erfahrungen in der Bewertung von Aktien und Fonds.

Als Gründer und Geschäftsführer der YES Investmedia GmbH ist er unternehmerisch im Bereich der Finanzpublikationen tätig. Seine Expertise umfasst die Analyse komplexer wirtschaftlicher Themen wie demographischer Wandel oder globaler Markttrends sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Durch seine langjährige Tätigkeit hat er sich als Autor zahlreicher Analysen und Kommentare zu wirtschaftlichen und börsenrelevanten Themen etabliert.

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