Rekordquartal, Rekordziele — und eine Aktie, die binnen zwölf Monaten um mehr als 200 Prozent gestiegen ist. Marvell Technology hat mit seinen Erstquartalszahlen für das Geschäftsjahr 2027 nicht nur die Erwartungen erfüllt, sondern die mittelfristige Wachstumsstory grundlegend neu kalibriert.
Milliarden-Investition sichert Produktionskapazität
Das Unternehmen plant, im laufenden Geschäftsjahr eine Milliarde Dollar als Vorauszahlungen in die Lieferkette zu pumpen — um Produktionskapazitäten für die nächste Chip-Generation zu sichern. Auslöser sind nach Unternehmensangaben „außergewöhnliche“ KI-Buchungen. Der operative Cashflow von 638,8 Millionen Dollar im ersten Quartal liefert die nötige Liquidität dafür.
Im Zentrum steht das Custom-Silicon-Geschäft (XPU). Dieses soll bis zum Geschäftsjahr 2028 mehr als verdoppelt werden — ausgehend von bereits 1,5 Milliarden Dollar Umsatz in 2026.
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NVIDIA-Partnerschaft als Wachstumsmotor
Das Datencenter-Segment erwirtschaftete im ersten Quartal 1,83 Milliarden Dollar, rund 76 Prozent des Gesamtumsatzes — ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonderes Gewicht hat die vertiefte Kooperation mit NVIDIA: Marvells Netzwerk- und XPU-Lösungen werden in die NVLink-Fusion-Plattform integriert, die für KI-Rechenzentren und Telekommunikationsinfrastruktur (AI-RAN) konzipiert ist. Das Investitionsvolumen dieser Partnerschaft beläuft sich auf zwei Milliarden Dollar.
Konkrete Wachstumsziele für einzelne Segmente unterstreichen den Ehrgeiz:
- Optische Vernetzung: Wachstumsziel für das laufende Geschäftsjahr auf über 70 Prozent angehoben
- Scale-Out-Switching: Über 600 Millionen Dollar in 2027, mehr als eine Milliarde in 2028
- Custom AI Silicon: Verdopplung des Umsatzes bis 2028 angestrebt
Ausblick hebt die Latte deutlich höher
Der Quartalsumsatz lag bei 2,42 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie traf mit 0,80 Dollar die Analystenerwartungen.
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Für das Gesamtjahr 2027 peilt das Management nun rund 11,5 Milliarden Dollar Umsatz an — ein Wachstum von 40 Prozent. Für 2028 lautet das Ziel 16,5 Milliarden Dollar, was einem weiteren Anstieg von rund 45 Prozent entspräche. Das zweite Quartal soll 2,7 Milliarden Dollar Umsatz und einen Non-GAAP-EPS von 0,93 Dollar bringen.
Bewertung bleibt der kritische Punkt
Die angehobenen Ziele lösten eine Welle von Kurszielerhöhungen aus. HSBC stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und setzte das Kursziel auf 300 Dollar — mit Verweis auf unterbewertete Chancen bei optischen Verbindungen und CXL-Speicherprodukten. Benchmark zog auf 275 Dollar nach, J.P. Morgan und Bank of America auf je 240 Dollar.
An der Börse reagierte der Kurs zunächst mit einem Allzeithoch von 218,04 Dollar am 28. Mai, schloss dann aber bei 198,70 Dollar. Das KGV liegt bei rund 64, das EV/EBITDA bei 41 — deutlich über Vergleichswerten von Broadcom oder NVIDIA. Insiderverkäufe von knapp 30 Millionen Dollar in den vergangenen drei Monaten sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit. In Euro notiert die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Hoch bei 176 Euro, seit Jahresbeginn hat sie sich mehr als verdoppelt. Wer auf das Wachstumsversprechen setzt, zahlt dafür einen erheblichen Aufschlag.
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