Marvell Technology schließt am Freitag bei 165,12 Euro, ein Plus von 0,30 Prozent. Das kaschiert kaum, was in der Woche zuvor passierte: Die Aktie verlor 20,06 Prozent. Der Chipdesigner für kundenspezifische KI-Prozessoren und Netzwerktechnik steht damit im Zentrum einer Debatte um überzogene KI-Bewertungen.
Analysten-Herunterstufung verschärft den Ausverkauf
Marvell bleibt ein wichtiger Lieferant für Cloud-Anbieter. Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Dollar. Das wäre ein Plus von etwa 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Trotz dieser Wachstumszahlen wächst die Skepsis am Markt. Erste-Group-Analyst Hans Engel senkt seine Einstufung von „Kaufen“ auf „Halten“. Sein Argument: Die starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden macht die Margen langfristig anfälliger.
Weitere Marktbeobachter verweisen auf sinkende Bruttomargen im Jahresvergleich. Auch das operative Ergebnis und der Nettogewinn wachsen langsamer als der Umsatz. Das nährt Zweifel, ob die Rally der vergangenen Monate fundamental gedeckt war.
Nicht alle Analysten teilen diese Skepsis. Nur wenige Tage vor der Herabstufung hebt KeyBanc sein Kursziel auf 400 Dollar an und bestätigt die Kaufempfehlung.
Teure Bewertung im Fokus
Die Bewertung treibt den Kurs nach unten. Marvell handelt beim non-GAAP-Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 70 und 80. Der Sektor-Durchschnitt liegt dagegen bei Mitte 20.
Manche Analysten stufen die Aktie deshalb auf „Halten“ herab, bleiben aber langfristig optimistisch für den KI-Markt. Der Analystenkonsens lautet insgesamt weiterhin „Strong Buy“. Die durchschnittlichen Kursziele implizieren zweistellige Kursgewinne.
Der Ausverkauf trifft nicht nur Marvell allein. Nach Warnungen großer Chipausrüster und Foundries vor steigenden Investitionskosten nehmen Anleger sektorweit Gewinne mit. Die Sorge: Die Kosten für den Ausbau der KI-Fertigungskapazität könnten Margen branchenweit belasten.
Optionsmarkt zeigt tiefe Unsicherheit
Die Uneinigkeit der Anleger zeigt sich auch im Derivatemarkt. Die implizite Volatilität für Optionen mit Laufzeit bis zu einem Jahr steigt deutlich. Die Preise deuten an, dass die Aktie binnen eines Jahres zwischen etwa 80 und 438 Dollar liegen könnte.
Diese breite Spanne spiegelt den Graben zwischen zwei Lagern wider. Optimisten setzen auf die anhaltende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Pessimisten verweisen auf Bewertungsrisiken und die Kundenkonzentration.
Trotz des Rückgangs bleibt die Aktie für das Jahr deutlich im Plus: 126,53 Prozent seit Jahresanfang. Der jüngste Kurssturz zeigt aber, wie schnell sich die Stimmung bei KI-nahen Werten drehen kann.
In den kommenden Tagen stehen keine Unternehmenstermine an. Der Kurs dürfte deshalb von der allgemeinen Stimmung im Halbleitersektor abhängen und von neuen Analysten-Kommentaren, die Wachstum gegen Bewertungsrisiko abwägen.
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