Marvell Technology schafft am Montag eine deutliche Gegenbewegung. Die Aktie des KI-Chipherstellers springt um 4,63 Prozent auf 172,76 Euro. Damit gewinnt das Papier einen Teil dessen zurück, was in den vergangenen Wochen verloren ging — mehr als 40 Prozent unter dem Rekordhoch stand der Kurs zuletzt.

Der Zeitpunkt der Erholung ist kein Zufall. Mehrere Wall-Street-Häuser heben ihre Kursziele an, kurz nachdem Marvell die Übernahme von XConn Technologies abgeschlossen hat.

Analysten werden nach Chiplet-Deal optimistischer

Der Ton an der Wall Street hat sich seit dem Abschluss der XConn-Übernahme am 10. Februar 2026 merklich verändert. Chiplet-Konnektivität ist damit von einer Nebengeschichte zu einem zentralen Baustein der KI-Rechenzentrums-Strategie geworden. Analysten passen ihre Kursziele entsprechend an.

Die Bewegung zieht sich durch fast das gesamte Analystenfeld. KeyBanc erhöhte sein Ziel auf 385 US-Dollar, BofA auf 365 Dollar, Stifel auf 350 Dollar und UBS auf 340 Dollar — jeweils im Zuge des Starts des neuen Teralynx-T100-Chips. KeyBanc legte danach sogar noch einmal nach und hob das Ziel auf 400 Dollar an, bei weiterhin positiver Einschätzung.

Die Geschäftszahlen stützen diesen Optimismus. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 setzte Marvell 2,418 Milliarden Dollar um, ein Plus von 27,6 Prozent zum Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft trug 1,833 Milliarden Dollar dazu bei — 76 Prozent des Gesamtumsatzes.

CEO Matt Murphy stellte für das zweite Quartal im Mittel 2,7 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Wachstum von rund 35 Prozent. Marvell hebe die Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 „deutlich“ an, so Murphy.

Die Bewertungsfrage bleibt ungelöst

Der Kurssprung vom Montag folgt auf eine Verkaufswelle, die vor allem aus Sorge um die hohe Bewertung entstand. Allein in der vergangenen Woche verlor die Aktie 13,26 Prozent, weil Investoren zunehmend hinterfragten, ob das Wachstum mit der Bewertung Schritt halten kann.

Mehrere Analystenstimmen befeuerten diese Zweifel. Hans Engel von der Erste Group stufte Marvell von Kaufen auf Halten zurück. Sein Argument: Die starke Abhängigkeit von wenigen Großkunden macht die Margen langfristig anfälliger.

Im Zentrum der Kritik steht die Bewertung selbst. Marvell handelt beim non-GAAP-Kurs-Gewinn-Verhältnis im Bereich von 70 bis 80 — weit über dem Sektordurchschnitt im mittleren Zwanziger-Bereich. Manche Marktbeobachter sprechen deshalb nicht mehr von einem klaren Kauf, auch wenn sie das langfristige KI-Potenzial weiterhin positiv sehen.

Trotzdem bleibt die Mehrheit an der Wall Street konstruktiv. Der Analystenkonsens lautet „Strong Buy“, die durchschnittlichen Kursziele implizieren zweistellige Kursgewinne. Der Kursrutsch der Vorwoche zeigt aber: Investoren fordern zunehmend handfeste Beweise, dass künftige Gewinne die Prämie rechtfertigen.

Broadcom als Maßstab

Analysten vergleichen Marvell zunehmend mit seinem engsten Konkurrenten im Custom-Silicon-Geschäft. Broadcom lieferte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 22,19 Milliarden Dollar, ein Plus von 47,9 Prozent. Der Umsatz mit KI-Halbleitern stieg dabei um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar.

Bei einer Marktkapitalisierung von 1,78 Billionen Dollar spielt Broadcom in einer anderen Liga. Marvell erscheint im Vergleich als der kleinere, schnellere Verfolger. Analysten von Seeking Alpha rechnen damit, dass das Custom-ASIC-Geschäft von aktuell 1,5 Milliarden Dollar bis 2028 auf über 4 Milliarden Dollar wachsen könnte.

Die aktuelle Marktkapitalisierung von Marvell liegt bei rund 148 Milliarden Euro. Der Kurs notiert damit weiterhin 40,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro und deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 209,94 Euro. Diese Spanne zeigt, wie stark die Stimmung in den vergangenen Wochen geschwankt hat.

Der nächste Quartalsbericht wird zum entscheidenden Test. Erst dann zeigt sich, ob die angehobenen Prognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 mit der weiterhin hohen Bewertung Schritt halten können.