Die Fast-Food-Kette McDonald’s steht vor einer ambivalenten Herausforderung: Während die Zahl der Restaurantbesuche im wichtigen US-Heimatmarkt sinkt, steigen die Umsätze dank höherer Durchschnittsausgaben pro Kopf. Trotz eines schwierigen Marktumfelds und einer schwachen Performance an der Börse sehen einige Analysten weiterhin massives Aufwärtspotenzial für den Systemgastronomie-Riesen.

Umsatzwachstum durch Preisgestaltung geprägt

Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,10 Milliarden US-Dollar. Zwar lag dieser Wert leicht unter den Erwartungen des Marktes, doch der Gewinn pro Aktie übertraf mit 3,38 US-Dollar die Prognosen. Besonders deutlich wird die aktuelle Lage in den USA: Die vergleichbaren Umsätze stiegen dort um 0,8 Prozent, was ausschließlich auf höhere Preise zurückzuführen ist, da die tatsächliche Kundenfrequenz rückläufig war.

Um dem negativen Trend bei den Gästezahlen entgegenzuwirken, setzt das Management verstärkt auf digitale Bindung und neue Führungsimpulse. Das hauseigene Loyalty-Programm verzeichnet mittlerweile 220 Millionen aktive Nutzer in rund 70 Märkten und generiert systemweite Umsätze von über 40 Milliarden US-Dollar.

Parallel dazu gab es einen Wechsel an der Spitze des US-Geschäfts: Skye Anderson übernimmt die Leitung der rund 14.000 Restaurants in den Vereinigten Staaten, um die Marktposition zu stabilisieren.

Historische Tiefstände rufen Optimisten auf den Plan

An der Börse spiegelt sich die Skepsis der Anleger wider. Der aktuelle Kurs von 230,80 € notiert derzeit nur noch etwa 0,9 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 228,80 €. Seit Beginn des Jahres hat das Papier bereits 12 Prozent an Wert verloren, womit die Aktie deutlich hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurückbleibt.

Dennoch gibt es Stimmen, die in der aktuellen Kursschwäche eine Einstiegsgelegenheit wittern. Die Analysten von Tigress Financial haben ein ambitioniertes Kursziel von 390 US-Dollar ausgegeben. Ivan Feinseth von Tigress begründet diesen Optimismus mit der starken Markenloyalität und technologischen Fortschritten des Konzerns.

Andere Häuser wie Evercore oder die Deutsche Bank geben sich mit Zielen zwischen 320 und 345 US-Dollar etwas zurückhaltender, bleiben aber insgesamt positiv für den langfristigen Ausblick gestimmt.

Konsumdämpfer und neue Produktstrategien

CEO Chris Kempczinski räumte ein, dass Fehler bei der Gestaltung des Preis-Leistungs-Angebots für einen Teil des Rückgangs im US-Geschäft verantwortlich waren. Zudem stehen insbesondere einkommensschwache Haushalte durch die Inflation bei Lebensmitteln und Energie unter finanziellem Druck. Der CFO des Unternehmens verwies in diesem Zusammenhang auch auf die gestiegenen Benzinpreise, die das Budget der Verbraucher zusätzlich belasten.

Um neue Anreize zu schaffen, testet McDonald’s Innovationen im Getränkebereich. Mit dem „Red Bull Dragonberry Energizer“ führt die Kette erstmals ein Energy-Drink-Angebot ein. Laut einer Umfrage von Citigroup erfolgen 60 Prozent des Energy-Drink-Konsums in Restaurants zusätzlich zu den üblichen Bestellungen, was für McDonald’s eine Chance auf inkrementelles Wachstum bietet.

Ob diese Neuerungen und das Treueprogramm ausreichen, um die Frequenz in den Filialen nachhaltig zu steigern, bleibt der zentrale Fokus für Investoren in der zweiten Jahreshälfte.