Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 wuchs Medtronics Kardiovaskular-Sparte organisch um 18,9 Prozent. Wie belastbar ist dieses Geschäft, wenn China weiter auf die Preise drückt und MiniMed aus dem Konzern ausscheidet? Andreas Sommer blickt auf die Frage, was den Ertrag auch bei schwächerer Nachfrage schützt.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 02.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 02.10.2026.
Trading-Treff Redaktion: Ihr faires Niveau liegt praktisch beim Analysten-Konsens. Wenn Sie bei der Bewertung nicht abweichen: Was trägt Ihre eigenständige Einschätzung zu Medtronic bei?
Andreas Sommer: Mich interessiert zuerst, was von diesem Wachstum übrig bleibt, wenn die Nachfrage nachlässt. Der Schutz sitzt im Behandlungsalltag: Bewährte Herztherapien werden nicht beiläufig ersetzt. Das starke Ablationsgeschäft im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 zeigt, dass Medtronic derzeit Patienten und Ärzte erreicht. Es beweist noch nicht, dass der Konzern seine Preise über einen schwächeren Zyklus halten und dauerhaft gute Kapitalrenditen erzielen kann. Genau dort bin ich weniger sorglos, als die Wachstumszahl nahelegt.
Trading-Treff Redaktion: Sie sagen, „der Schutz sitzt im Behandlungsalltag“. In China drücken Ausschreibungen die Preise für Medtronic-Produkte. Ist dieser Schutz dort nicht ziemlich dünn?
Andreas Sommer: In China ist er dünn. Gute Geräte werden weiter gebraucht, doch dafür wird weniger bezahlt. Wer das übergeht, überschätzt die Stärke des Geschäfts.
Trading-Treff Redaktion: Wenn die Nachfrage auch außerhalb Chinas schwächer wird: Woran würden Sie erkennen, dass Medtronics Geschäft weniger widerstandsfähig ist, als Sie annehmen?
Andreas Sommer: Meine Rechnung hängt an den für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten rund 50 Basispunkten Margenausweitung. Bleibt diese Verbesserung trotz des starken Herzgeschäfts aus, habe ich die Widerstandskraft überschätzt. Ein gutes Gerät wird in China zu schlechten Preisen verkauft. Ich will sehen, dass Medtronic andernorts mehr von seiner Produktstärke im Ertrag behält.
Trading-Treff Redaktion: Ihr faires Niveau entspricht nahezu dem Analysten-Konsens, während die Jahresprognose MiniMed noch einschließt. Wie viel Substanz hat Ihre Bewertung nach der Trennung?
Andreas Sommer: Mein faires Niveau liegt bei rund 93 Euro. Das beruht auf einem belastbaren Kerngeschäft, nicht auf einem Bewertungsgeheimnis. Die MiniMed-Trennung kann die Zahlenbasis verändern; eine höhere Marge allein wäre deshalb noch kein Beleg für bessere Kapitalrenditen. Für mich zählt, ob das verbleibende Geschäft die Stärke der Herztherapien in Ertrag übersetzt.
Trading-Treff Redaktion: Was müsste in den nächsten Quartalen passieren, damit Medtronics Investment von rund 700 Millionen Dollar in Cornerstone Robotics Ihre Einschätzung verbessert?
Andreas Sommer: Medtronic müsste zeigen, wie die Partnerschaft seine chirurgischen Angebote stärkt. Für die nächsten zwei bis vier Quartale wiegt allerdings etwas anderes schwerer: die nächste Zahlenvorlage.
Hält das Ablationsgeschäft sein Tempo, und kommt davon etwas bei der Marge an? Daran wird eine veränderte Sicht früh erkennbar. Die neuen Abrechnungscodes für Altaviva und Symplicity Spyral helfen erst ab Januar 2028; als unmittelbaren Ertragsbeweis taugen sie nicht.
Trading-Treff Redaktion: Sie knüpfen Ihre Rechnung an rund 50 Basispunkte Margenausweitung im Geschäftsjahr 2027. Welches Urteil folgt daraus für Medtronics Geschäft und Bewertung?
Andreas Sommer: Ich halte das Kerngeschäft für belastbar und die Bewertung für vernünftig. Mein Vertrauen gilt vorerst den Herztherapien, nicht dem Robotik-Umbau. Wenn die nächste Zahlenvorlage keine bessere Marge zeigt, wiegt der Preisdruck schwerer als das Wachstum – und meine positive Einschätzung kippt.
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