Melrose Industries hat eine entscheidende Hürde nach dem schweren Zwischenfall in seinem Werk in Garden Grove genommen. Der britische Luftfahrtzulieferer einigte sich mit der Staatsanwaltschaft im kalifornischen Orange County auf die Einstellung strafrechtlicher Ermittlungen.

Im Gegenzug legt das Unternehmen ein Entschädigungsprogramm in Höhe von bis zu 100 Millionen US-Dollar auf. Die Aktie reagierte am Dienstag und Mittwoch mit deutlichen Kursgewinnen auf die Nachricht, da eine langwierige juristische Auseinandersetzung nun unwahrscheinlicher geworden ist.

Strafrechtliche Entwarnung und Entschädigungs-Millionen

Der Fokus der Investoren lag zuletzt massiv auf den rechtlichen Folgen des Vorfalls in Kalifornien. Im Mai war es in einem Werk der Tochtergesellschaft GKN Aerospace zu einer Überhitzung von rund 7.000 Gallonen Methylmethacrylat gekommen, was die Evakuierung von über 50.000 Anwohnern und Unternehmen zur Folge hatte. Mit der nun getroffenen Vereinbarung wendet Melrose eine strafrechtliche Verfolgung auf lokaler Ebene ab.

Der bereitgestellte Fonds soll bis 2027 bestehen und betroffenen Anwohnern Kosten für Hotels, Verpflegung, Transport sowie Lohnausfälle erstatten. Medienberichten zufolge beläuft sich die Summe auf umgerechnet rund 73 bis 74 Millionen Pfund.

Während die lokale strafrechtliche Ebene damit geklärt scheint, laufen Untersuchungen auf Bundesebene sowie potenzielle zivile Klagen weiter. Dennoch wertet der Markt die Einigung als bedeutenden Schritt zur Risikoreduzierung.

Produktion vor Neustart und finanzielle Belastungen

Parallel zur rechtlichen Klärung treibt Melrose die Wiederaufnahme der Fertigung in Garden Grove voran. Ziel ist es, bis zum 28. September wieder die volle Produktionskapazität zu erreichen. Der Stillstand der Anlage belastete das Unternehmen zuletzt erheblich.

Monatlich fielen Kosten in Höhe von etwa 6 Millionen Pfund durch den Produktionsausfall an. Für das zweite Halbjahr 2026 rechnet die Konzernführung mit zusätzlichen Belastungen zwischen 25 und 30 Millionen Pfund.

Um die finanzielle Stabilität während dieser Phase zu sichern, hat Melrose das laufende Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 175 Millionen Pfund vorerst pausiert. Trotz der Sonderbelastungen durch den Vorfall zeigte sich die operative Entwicklung im ersten Halbjahr robust.

Der Umsatz stieg um 10 Prozent, während der bereinigte Gewinn um bis zu 18 Prozent zulegte. Besonders das Triebwerkssegment (Engines) erwies sich als Wachstumstreiber mit einem Umsatzplus von 19 Prozent und einer Gewinnsteigerung von 21 Prozent.

Analysten zwischen Cashflow-Sorgen und Risiko-Abschlägen

In der Analystenzunft wird die Nachricht unterschiedlich bewertet. Die Experten von JPMorgan reagierten auf den Entschädigungsfonds mit einer Senkung ihrer Prognosen für den freien Cashflow (Free Cashflow). Sie sehen in der hohen Auszahlung eine kurzfristige Belastung der Liquidität, die über die bisherigen Erwartungen hinausgeht.

Demgegenüber steht die Einschätzung der Analysten von Citi, die die Einigung positiv hervorheben. Durch den Wegfall der strafrechtlichen Bedrohung sei ein massives Abwärtsrisiko für die Aktie vom Tisch. Die Experten schätzen die finanziellen Auswirkungen des Programms auf etwa 6 Pence pro Aktie.

Insgesamt profitiert Melrose derzeit von einer starken Nachfrage in der zivilen Luftfahrt und steigenden Verteidigungsausgaben, was die operativen Margen stützt. Anleger konzentrieren sich nun darauf, ob der geplante Produktionsstart Ende September reibungslos verläuft.