Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, eine verschobene Sonderzahlung — und spontane Arbeitsniederlegungen als Antwort. Bei Mercedes-Benz eskaliert der Konflikt zwischen Management und Belegschaft. Die Aktie notiert auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr.
Sparpaket trifft 90.000 Beschäftigte
Das Management hat die Verschiebung des sogenannten Transformationsbausteins angekündigt. Diese tarifliche Sonderzahlung — knapp ein Fünftel eines Monatsgehalts — sollte ursprünglich im Juli 2026 fließen. Nun plant der Konzern, sie auf 2027 zu verschieben. Betroffen sind rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland.
Hinzu kommt ein weiterer Vorstoß: Das Management will mit dem Betriebsrat über eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit über 35 Stunden sprechen — ohne Lohnausgleich. Als Begründung nennt der Konzern strukturell zu hohe Kosten im internationalen Vergleich sowie anhaltenden Margendruck.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Am Freitag, dem 27. Juni, verließen im Bremer Werk zahlreiche Beschäftigte ihre Plätze vor Schichtende. Einzelne Produktionsbereiche standen vorübergehend still. Der Gesamtbetriebsrat bezeichnete die Verschiebung der Sonderzahlung als einseitige Entscheidung und lehnt längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich ab.
Aktie unter Druck
Die Zahlen sprechen für sich. Die Aktie schloss am Montag bei 43,41 Euro — nur knapp über dem frisch markierten 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust fast 30 Prozent. Der RSI liegt bei 30,2 und signalisiert eine stark überverkaufte Lage.
Analysten reagieren unterschiedlich. Jefferies stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch, senkte aber das Kursziel von 60 auf 52 Euro. UBS bleibt bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 55 Euro — und wertet die Maßnahmen als Beleg für den laufenden Strukturwandel der deutschen Automobilindustrie.
Halbierter Gewinn, schwaches Quartal
Der Sparkurs hat einen klaren Hintergrund. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 31,6 Milliarden Euro, das EBIT lag bei 1,9 Milliarden Euro. Bereits 2025 hatte sich der Konzerngewinn auf 5,3 Milliarden Euro nahezu halbiert. Ohne spürbare Kostensenkungen sieht das Management die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet — angesichts steigender Produktionskosten, der teuren Elektromobilitätswende und wachsenden Drucks aus China.
Am 28. Juli legt Mercedes-Benz die Zahlen für das zweite Quartal vor. Dann muss das Management zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen die Margen tatsächlich stabilisieren — oder ob der Widerstand der Belegschaft die Umsetzung bremst.
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