Zehntausende Beschäftigte legen bei Mercedes-Benz die Arbeit nieder. Der Autobauer will sparen, streicht Sonderzahlungen und fordert mehr unbezahlte Arbeit. Die Belegschaft wehrt sich massiv. Für den Konzern kommt der Konflikt zur Unzeit.
Gestrichene Boni und längere Schichten
Die Proteste entzünden sich an einem konkreten Einschnitt. Das Management verschiebt den sogenannten Transformationsbaustein auf das nächste Jahr. Diese tarifliche Sonderzahlung stand eigentlich im Juli an. Etwa 90.000 der rund 108.000 deutschen Mitarbeiter gehen nun vorerst leer aus. Mercedes-Benz begründet den Schritt mit sinkenden Gewinnen und einer schwachen Konjunktur.
Obendrein fordert die Führungsriege längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Ergun Lümali, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, kritisiert den immensen Druck auf die Mitarbeiter. Statt Perspektiven zu schaffen, wälze die Chefetage eigene Fehler ab. Das sieht auch die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner so.
Aktie im tiefen Tal
Die Börse reagierte am Freitag noch gelassen auf die Warnstreiks. Die Aktie schloss bei 45,40 Euro und verbuchte ein leichtes Tagesplus. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von knapp fünf Prozent auf der Kurstafel.
Der langfristige Chart zeichnet ein deutlich schlechteres Bild. Seit Jahresanfang stürzte der Kurs um 26,37 Prozent ab. Das Papier pendelt weit unter der wichtigen 50-Tage-Linie. Der Abstand zum Jahreshoch von 62,30 Euro bleibt massiv.
Heißer Sommer am Fließband
Die Gewerkschaft bereitet sich nun auf einen langen Arbeitskampf vor. Bleibt die Konzernspitze bei ihrem Sparkurs, plant die IG Metall einen heißen Sommer. Die Folge: teure Produktionsausfälle. Die nächste Eskalationsstufe hat bereits ein festes Datum. Am 9. Juli organisieren die Arbeitnehmervertreter einen großen Autokorso in Stuttgart.
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