Der Aktienkurs von Mercedes-Benz steht am heutigen Mittwoch unter Druck, während sich die Anzeichen für eine tiefe interne Krise beim Stuttgarter Automobilbauer verdichten.

Im Zentrum der Verunsicherung steht eine massive Eskalation im Tarifkonflikt mit der Arbeitnehmerseite sowie weitreichende Sparpläne, die nun auch den deutschen Produktionsstandort infrage stellen könnten. Das Papier notiert aktuell bei 46,77 Euro, was einem Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht.

Eskalation im Tarifkonflikt belastet das Marktumfeld

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, hat die Konzernführung die Drohkulisse gegenüber dem Betriebsrat deutlich verschärft. Demnach droht Mercedes-Benz mit der Schließung eines Werks in Deutschland, sollten die Arbeitnehmervertreter geplanten Lohnkürzungen nicht zustimmen.

Parallel dazu plant der Konzern, Investitionen verstärkt nach Osteuropa zu verlagern. Diese Entwicklung fällt in eine sensible Phase vor der im Herbst 2026 anstehenden Tarifrunde.

Hintergrund der harten Linie ist das Effizienzprogramm „Next Level Performance“. Mercedes-Benz verfolgt damit das Ziel, die jährlichen Kosten bis zum Jahr 2027 um rund 5 Milliarden Euro zu senken. Ein Großteil dieser Einsparungen soll Medienberichten zufolge durch einen massiven Personalabbau realisiert werden.

Die Gewerkschaft IG Metall bereitet bereits Gegenmaßnahmen vor: Für den 21. September ist ein bundesweiter Aktionstag der Automobilindustrie angekündigt, an dem die Beschäftigten gegen den Stellenabbau und die drohenden Lohnkürzungen protestieren wollen.

Analysten-Votum und laufendes Rückkaufprogramm

Trotz der operativen Spannungen erhielt die Aktie gestern eine aktuelle Einschätzung durch RBC Capital Markets. Der Analyst Tom Narayan bestätigte am 8. September die Einstufung „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 54 Euro.

In seinem Kommentar befasste sich der Experte zudem mit dem Verkauf von Anteilen an Daimler Truck. Die Aktie von Mercedes-Benz ist seit Jahresbeginn um 22 Prozent eingebrochen und notiert derzeit weit unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro, das Mitte Dezember des vergangenen Jahres erreicht worden war.

Um dem schwachen Kursverlauf entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Anfang des Monats ein neues Aktienrückkaufprogramm gestartet. Zwischen dem 1. September 2026 und dem 6. April 2027 plant Mercedes-Benz, eigene Anteile im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zu erwerben. Insgesamt könnten dabei bis zu 58 Millionen Aktien eingezogen werden.

Schwache China-Bilanz erhöht den Handlungsdruck

Die Notwendigkeit für den strikten Sparkurs ergibt sich auch aus der Bilanz des zweiten Quartals 2026, in dem der Konzern mit erheblichen Herausforderungen kämpfen musste. Besonders das für Mercedes-Benz essenzielle China-Geschäft enttäuschte: Die Auslieferungen in der Region brachen um 30 Prozent ein. Dies führte unter anderem zu einer Wertminderung von 704 Millionen Euro auf Gemeinschaftsunternehmen vor Ort.

Obwohl der Konzern im zweiten Quartal einen Umsatz von 32,06 Milliarden Euro erzielte und das Konzernergebnis mit 1,09 Milliarden Euro über dem Vorjahreswert lag, bleibt die Prognose verhalten. In einem Guidance-Update Ende Juli hatte das Management bereits gewarnt, dass der Absatz von Mercedes-Benz Cars leicht unter dem Vorjahresniveau liegen dürfte.

Auch beim Konzernumsatz wird mittlerweile ein Wert leicht unter Vorjahr erwartet. Anleger blicken nun auf den 28. Oktober, wenn der Konzern seinen Zwischenbericht für das dritte Quartal vorlegen wird.