Mercedes-Benz bestätigt seine Jahresprognose fürs Pkw-Geschäft. Die Van-Sparte läuft sogar besser als erwartet. Trotzdem bleibt der Aktienkurs vom China-Einbruch belastet.

Der Stuttgarter Autokonzern gab am Dienstag in einem Pre-Close-Call erste Zahlen-Indikationen fürs zweite Quartal. Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Segment soll wie geplant zwischen 3 und 5 Prozent liegen. Analysten werten das als Stabilitätssignal – zumal Wettbewerber BMW zuletzt vorsichtiger klang.

Van-Sparte übertrifft die eigene Zielspanne

Deutlich stärker fällt der Ausblick für die Van-Sparte aus. Mercedes-Benz erwartet hier eine bereinigte Umsatzrendite am oberen Ende der Spanne von 8 bis 10 Prozent. Der industrielle Free Cash Flow soll positiv bleiben, saisonal bedingt aber unter dem Niveau des ersten Quartals liegen. Die vollständigen Halbjahreszahlen will der Konzern im Juli veröffentlichen.

Der China-Markt bleibt die größte Baustelle. Dort brach der Absatz im zweiten Quartal um rund 30 Prozent ein. Das drückt auf die Konzernbilanz, obwohl Van-Segment und Prognosetreue gegensteuern.

Anleihe-Migration ohne Folgen für Investoren

Parallel zur operativen Entwicklung hat Mercedes-Benz einen finanziellen Umbau abgeschlossen. Seit dem 15. Juli tritt die niederländische Tochter Mercedes-Benz International Finance B.V. als neue Emittentin für vier Anleiheserien mit einem Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden Euro auf. Die größte Tranche über 1,5 Milliarden Euro läuft bis 2029, zwei weitere Serien über je 750 Millionen Euro bis 2030.

Für Anleger ändert sich wirtschaftlich nichts. Die Mercedes-Benz Group AG bleibt unwiderrufliche Garantin für alle Verpflichtungen. Der Konzern begründet den Schritt mit einer klareren Struktur seiner internationalen Finanzierung.

Zusätzlich verlässt Group-CIO Katrin Lehmann den Konzern zum 1. September auf eigenen Wunsch. Ihre Aufgaben aus der IT-Transformation sind bereits ins Vorstandsressort „People & Enterprise Tech“ unter Britta Seeger integriert. Operativ läuft die Elektro-Offensive weiter: Im ungarischen Werk Kecskemét startete diese Woche die Produktion der neuen vollelektrischen C-Klasse, das Werk übernimmt künftig auch exklusiv die Fertigung der kompakten G-Klasse.

Analysten sehen Aufholpotenzial

HSBC bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 65 Euro – trotz der China-Schwäche sehen die Analysten fast 47 Prozent Luft nach oben. Bernstein Research bleibt vorsichtiger bei „Market-Perform“, hob aber das Kursziel auf 61 Euro an.

Die Aktie schloss am Mittwoch bei 46,20 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,36 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn bleibt aber ein Minus von 25,06 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 42,64 Euro, markiert erst Ende Juni, hat sich das Papier bereits um 8,35 Prozent erholt.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich diese Erholung fortsetzt. Die vollständigen Halbjahreszahlen im Juli werden belegen, ob Van-Stärke und Prognosetreue den China-Einbruch tatsächlich kompensieren können.