Mercedes-Benz dreht die Kapitalrückgabe-Maschine erneut an. Ab Dienstag startet der Stuttgarter Autobauer ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro. Kein Zufall: Erst Anfang Juni hatte der Konzern ein deutlich größeres Programm über zwei Milliarden Euro abgeschlossen.

Zweites Programm binnen Monaten

Zwischen dem 1. September 2026 und dem 6. April 2027 will Mercedes-Benz bis zu 58 Millionen eigene Aktien über die Börse oder ein multilaterales Handelssystem erwerben. Die Papiere sollen anschließend eingezogen werden. Die Hauptversammlung hatte diesem Vorgehen bereits im Mai vergangenen Jahres zugestimmt.

Beim vorherigen Rückkauf erwarb Mercedes-Benz knapp 38 Millionen eigene Anteile zu einem Durchschnittspreis von etwas mehr als 53 Euro. Aktienrückkäufe reduzieren die Zahl der ausstehenden Papiere und erhöhen so rechnerisch den Gewinn je verbleibender Aktie — ein Mechanismus, der langfristig kursstützend wirken soll, auch wenn er anders als eine Dividende nur indirekt bei den Aktionären ankommt.

Branchendruck bleibt die Kulisse

Der Zeitpunkt ist kein Zeichen von Stärke, sondern eher von Kontinuität in schwierigem Umfeld. Mercedes-Benz-Aktien stehen wie die der Konkurrenten BMW und Volkswagen unter Druck der andauernden Branchenkrise. Im bisherigen Jahresverlauf verlor der Kurs mehr als ein Fünftel seines Wertes, die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 45 Milliarden Euro.

Hinter der Kursschwäche steht ein strukturelles Problem: Mercedes-Benz bewegt sich zwischen drei Machtblöcken mit zunehmend widersprüchlichen Interessen.

China bleibt für den Konzern ein zentraler Absatz- und Produktionsmarkt, die USA gewinnen für Wachstum und Profitabilität an Bedeutung, während Europa seine Industrie stärker gegen chinesische Überkapazitäten abschirmen will. Diese Gemengelage erschwert eine global ausgerichtete Strategie zusehends.

Das neue Rückkaufprogramm ändert an dieser Ausgangslage wenig — es ist ein Kapitalmarkt-Signal, keine Antwort auf die geopolitischen Spannungen, die den Konzern derzeit stärker beschäftigen als die eigene Aktienkursentwicklung.