Juli 2026 seine Ergebnisziele für das laufende Geschäftsjahr bestätigt – und liefert damit ein Kontrastprogramm zu einer parallel kursierenden internen Selbstkritik an der Elektrostrategie des Konzerns. Während der Vorstand an der Rendite-Guidance festhält, kursiert im Hintergrund ein deutliches Eingeständnis: Ein hochrangiger Manager bezeichnete eines der teuersten Elektroprojekte des Hauses gegenüber dem Manager Magazin als eigentlich überflüssig.

Prognose bestätigt, Bewertungslücke bleibt Thema

Der Vorstand bekräftigte die Umsatzrendite-Zielspanne von 3 bis 5 Prozent für das Geschäftsjahr 2026. Der Analysedienst Simply Wall St bezifferte den fairen Wert der Aktie auf 59,69 Euro und hält das Papier auf dieser Basis für gut 23 Prozent unterbewertet. Zu den größten Risiken zählt der Dienst die China-Geschäftslage sowie die hohen Ausgaben für Elektrifizierung und KI-Integration. Für das laufende Jahr kündigte der Konzern mehr als 25 neue Modelle an, darunter zahlreiche Elektrofahrzeuge auf der neuen MB.EA-Plattform.

An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt etwas gefestigt: Zum Donnerstagsschluss stand Mercedes-Benz bei 45,80 Euro, nach einem Plus von 3,74 Prozent auf Wochensicht. Vom 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro, markiert am 15. Dezember 2025, trennen das Papier weiterhin gut 26 Prozent – ein Abstand, der die anhaltende Skepsis des Marktes gegenüber der Branche widerspiegelt.

Neue C-Klasse startet, GLA EQ vor Weltpremiere

Operativ kommt Bewegung in die Elektro-Offensive. Am 13. Juli 2026 lief im ungarischen Kecskemét die Produktion der elektrischen C-Klasse (W520) an, nach einer Werkserweiterung im Umfang von einer Milliarde Euro. Die Startversion C400 4Matic bietet nach WLTP-Norm 762 Kilometer Reichweite, eine 94-kWh-Batterie von Samsung SDI, Laden mit bis zu 330 kW Gleichstrom sowie eine zweistufige Hinterachsuntersetzung auf Basis der 800-Volt-Plattform MB.EA. Europäische Kunden sollen das Modell noch 2026 erhalten, US-Kunden folgen Anfang 2027. Die Werkskapazität in Kecskemét soll von 100.000 auf 350.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen, die Belegschaft von derzeitigem Niveau auf 9.000 bis 10.000 Beschäftigte wachsen.

Auch im Kompaktsegment tut sich etwas: Der neue GLA EQ feiert am 29. Juli 2026 in Warschau Weltpremiere, die Bestellfreigabe für die Varianten GLA 250+ EQ und GLA 350 4Matic EQ folgt noch im selben Monat. Die Motorenpalette reicht vom GLA 200 EQ mit 224 PS und 465 Kilometern Reichweite bis zum GLA 45 S 4Matic EQ mit 680 PS, drei Axialflussmotoren und einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,0 Sekunden. Ausgestattet sind die Modelle unter anderem mit dem Betriebssystem MB.OS, das ChatGPT und Gemini integriert, sowie einer 800-Volt-Ladetechnik, die eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in 22 Minuten ermöglichen soll.

Interne Kritik an gescheiterten Elektromodellen

Dem Ausbauprogramm steht eine bemerkenswerte interne Kritik gegenüber. Ein namentlich nicht genannter hochrangiger Mercedes-Manager erklärte gegenüber dem Manager Magazin, der elektrische AMG GT 4-Door hätte „eigentlich gar nicht existieren dürfen“ – das Projekt sei aber zu weit fortgeschritten gewesen, um es noch zu stoppen. Die Entwicklungskosten für das Modell sollen die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschritten haben. Laut derselben Quelle brachen die Verkäufe der EQ-Modelle 2024 um 90 Prozent ein; EQS und EQE SUV werden als die größten Fehlschläge der Unternehmensgeschichte bezeichnet. Verantwortung dafür wird laut dem Bericht CEO Ola Källenius zugeschrieben, dem vorgeworfen wird, zu sehr auf eine Tesla-ähnliche Bewertung geschielt zu haben. Als Reaktion auf die Absatzschwäche rollt der Konzern demnach eine elektrische CLA-Variante für unter 50.000 US-Dollar sowie einen Luxus-Van für den US-Markt aus.

Branchenvergleich: Bewertung niedrig, Ausschüttung hoch

Im Branchenvergleich zeigt sich Mercedes-Benz als vergleichsweise günstig bewertet. Eine Analyse des Handelsblatts vom 16. Juli beziffert das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 7,1 – bei einer Dividendenrendite von 7,8 Prozent. Der Bericht ordnet dies in einen branchenweiten Gewinnrückgang ein: Der addierte Nettogewinn der drei großen deutschen Autobauer sank 2025 auf 19,8 Milliarden Euro, verglichen mit 48 Milliarden Euro im Jahr 2022 – ein Rückgang um 59 Prozent. Die gemeinsamen Dividendenzahlungen der drei Hersteller fielen im selben Zeitraum von 15,4 auf 8,6 Milliarden Euro. Für Mercedes-Benz bedeutet das: Der Konzern hält an einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik fest, während er zugleich Milliarden in den Umbau der Modellpalette investiert – ein Spagat, den Anleger angesichts der weiterhin hohen Volatilität der Aktie genau beobachten dürften.