Sinkender Umsatz, aber ein Kurs, der trotzdem anzieht: Bei Mercedes-Benz passt das auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Grund liegt in den Details der Marge — und in einem Signal an die Aktionäre, das die Stuttgarter am Dienstag mit den Zahlen verknüpften.
Margen übertreffen die Erwartungen
Der Konzernumsatz schrumpfte im zweiten Quartal auf 32,06 Milliarden Euro, nach 33,15 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBIT kletterte dennoch auf 1,55 Milliarden Euro, ein Plus von 22 Prozent. Im Kerngeschäft Cars fiel die bereinigte Umsatzrendite zwar auf 4,0 Prozent von 5,1 Prozent im Vorjahr — lag damit aber über der Analystenschätzung von 3,5 Prozent.
Auch die Transporter-Sparte lieferte ab: Bei einem Umsatz von 4,46 Milliarden Euro erreichte Vans eine Rendite von 10,2 Prozent, deutlich mehr als die erwarteten 9,4 Prozent. Der Finanzdienstleistungsbereich legte bei der Rendite noch kräftiger zu, getrieben von besserer Portfolioqualität und geringeren Kreditrisikokosten. Die Aktie reagierte prompt: Vorbörslich zog sie auf Tradegate um 2,2 Prozent auf 46,33 Euro an, der seit Jahresbeginn laufende Abwärtstrend bleibt damit aber vorerst intakt.
Fünf Milliarden Euro Rückfluss
Parallel zu den Zahlen machte der Konzern deutlich, wie viel Kapital trotz schwächerem Marktumfeld an Aktionäre fließt. Im ersten Halbjahr summierte sich die Ausschüttung aus Dividende und abgeschlossenem Aktienrückkauf auf 5 Milliarden Euro, bei einer weiterhin komfortablen Netto-Liquidität im Industriegeschäft von 30 Milliarden Euro. Für das dritte Quartal kündigte das Management ein neues Rückkaufprogramm über bis zu 1 Milliarde Euro an, das vor der Hauptversammlung 2027 abgeschlossen werden soll.
Ein Teil der Mittel dafür kommt aus dem schrittweisen Verkauf der Daimler-Truck-Beteiligung, aus der im Juli weitere 600 Millionen Euro realisiert wurden. Das Management ließ offen, ob weitere Anteile folgen — man behalte sich alle Optionen vor, hieß es auf Nachfrage von Analysten.
China bleibt die Belastung
Der chinesische Markt brach im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent ein, ein deutlicher Rückschlag im weltweit größten Automarkt. Die daraus resultierenden Wertberichtigungen auf die Joint-Venture-Beteiligungen seien nicht zahlungswirksam und spiegelten lediglich niedrigere erwartete Gewinnbeiträge wider, betonte das Management — kein strategischer Rückzug. Außerhalb Chinas legten die Verkäufe im ersten Halbjahr dagegen um 2 Prozent zu, getragen von einer starken Nachfrage nach den neuen Elektromodellen in Europa.
Als Antwort auf den härteren Wettbewerb hat Mercedes das Elektro-SUV GLC in China eingeführt und dort nach eigenen Angaben positive Resonanz erhalten. Zusätzlich soll eine Produktivitätsinitiative in Deutschland die Kostenposition verbessern, unter anderem durch die Verlagerung von Volumen ins ungarische Werk Kecskemét.
Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an der Margenspanne von 3 bis 5 Prozent für das Pkw-Geschäft fest, rechnet aber mit einem Ergebnis in der unteren Hälfte. Die Umsatzprognose wurde wegen der schwächeren China-Nachfrage leicht gesenkt, während die Zielspanne für den Elektroanteil am Absatz auf 23 bis 25 Prozent angehoben wurde. Für das zweite Halbjahr erwartet das Management stärkere Effekte aus neuen Modellen, vor allem im vierten Quartal, denen höhere Rohstoff- und Energiekosten entgegenstehen.
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