Mercedes-Benz startet an diesem Dienstag ein neues Kapitel im Umgang mit dem eigenen Kurs. Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Euro beschlossen, das vom 1. September 2026 bis zum 6. April 2027 laufen soll. Bis zu 58 Millionen eigene Aktien will der Konzern über die Börse oder ein multilaterales Handelssystem erwerben und anschließend einziehen.

Die Ermächtigung dafür stammt von der Hauptversammlung vom 7. Mai 2025. Der Rückkauf läuft über ein unabhängiges Kreditinstitut, das unbeeinflusst von Mercedes-Benz über Zeitpunkt und Umfang der Käufe entscheidet. Der Aktienkurs reagierte am Montag im Xetra-Handel kaum auf die Nachricht und bewegte sich nur marginal.

Zweites Programm binnen Monaten

Es ist bereits die zweite große Rückkaufrunde in kurzer Zeit. Erst Anfang Juni hatte Mercedes-Benz ein Programm über zwei Milliarden Euro abgeschlossen und dabei knapp 38 Millionen eigene Anteile zu einem Durchschnittspreis von etwas mehr als 53 Euro erworben. Der Kontrast zum aktuellen Kursniveau ist deutlich: Die Aktie notiert derzeit rund um 47 Euro und liegt damit spürbar unter jenem Durchschnittspreis.

Der Kursrückgang ist Teil eines breiteren Musters in der Branche. Mercedes-Benz-Papiere stehen wie die Titel von BMW und Volkswagen unter Druck, im bisherigen Jahresverlauf ging es um etwas mehr als ein Fünftel nach unten. Die Marktkapitalisierung des Stuttgarter Konzerns liegt derzeit bei rund 45 Milliarden Euro.

Rückkäufe als Signal, nicht als Heilmittel

Aktienrückkäufe gelten als kursstützend, weil sie den Gewinn je verbleibender Aktie erhöhen und damit theoretisch auch den Kurs. Anders als eine Dividende wirkt der Effekt jedoch indirekt und schrittweise über den Erwerbszeitraum.

Unabhängig vom laufenden Programm plant Mercedes-Benz zudem für November 2026 ein außerordentliches und für März 2027 das reguläre Belegschaftsaktienprogramm — dafür werden zu den jeweiligen Zeitpunkten separate Mitteilungen erfolgen.

Trotz der schwächeren Absatzzahlen in China bekräftigen Analysten ihre Kauf- oder Halte-Einschätzungen für die Aktie. Die Deutsche Bank sieht ein Kursziel von 73 Euro, begründet mit der im Branchenvergleich höheren Widerstandsfähigkeit des Konzerns und einer anstehenden Modelloffensive. Bis dahin bleibt der Abstand zum aktuellen Kursniveau beträchtlich — das neue Rückkaufprogramm dürfte diesen Weg begleiten, ihn allein aber kaum verkürzen.