Mercer International hat in seinem jüngsten Quartalsbericht erhebliche Zweifel an der eigenen Fortführungsprognose geäußert. Das Unternehmen verwies auf die bevorstehende Fälligkeit von Kreditfazilitäten und einen anhaltend negativen Cashflow.
Angesichts dieser Lage hat das Management bereits Berater hinzugezogen und Gespräche mit den Inhabern von vorrangigen Schuldverschreibungen aufgenommen, die in den Jahren 2028 und 2029 fällig werden. Ziel dieser Verhandlungen ist es, Möglichkeiten für eine Refinanzierung und die dringend benötigte Stärkung der Liquidität auszuloten.
Schwache Quartalszahlen und hohe Wertminderungen
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Mercer einen Nettoverlust von 76,0 Millionen US-Dollar, was einem Minus von 1,13 US-Dollar pro Aktie entspricht. Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht um 1,5 Prozent auf 460,3 Millionen US-Dollar, doch das operative EBITDA rutschte mit 21,0 Millionen US-Dollar in den negativen Bereich.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor war eine nicht zahlungswirksame Wertminderung auf Vorräte in Höhe von 29,0 Millionen US-Dollar. Mercer begründete diese Abschreibung mit den hohen Faserkosten in Europa und den gleichzeitig schwachen Realisierungspreisen auf dem globalen Zellstoffmarkt.
Um die finanzielle Stabilität zu sichern, treibt das Unternehmen sein Kostensenkungsprogramm voran. Diese Initiative erbrachte im zweiten Quartal Einsparungen von 13,0 Millionen US-Dollar, womit sich die kumulierten Ersparnisse seit April 2025 auf 54,0 Millionen US-Dollar summieren.
Drastische Schritte kündigte das Management für den Standort Torgau an: Dort sollen bis zum zweiten Quartal 2027 etwa 350 Arbeitsplätze abgebaut werden. Zudem besteht für eine deutsche Kreditfazilität eine Ausnahmeregelung bezüglich der Verschuldungsklauseln bis zum 30. September 2026, was jedoch die Ausschüttung von Mitteln an die Muttergesellschaft beschränkt.
Analysten reagieren auf Liquiditätsrisiken
Die Aktie spiegelt den Ernst der Lage wider. Nachdem das Papier gestern bei 0,4086 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert hatte, ging es mit 0,4440 Euro aus dem Handel. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert damit einen Rückgang von 74 %. Analysten zeigten sich besorgt über die hohe Verschuldung.
Hamir Patel von CIBC senkte das Kursziel am Montag von 1,00 auf 0,75 US-Dollar und beließ die Einstufung auf „Neutral“. Bereits am 6. August hatte der Analyst Matthew McKellar von RBC Capital sein Ziel ebenfalls auf 0,75 US-Dollar reduziert und verwies dabei auf das spekulative Risiko nach dem Verfehlen der Erwartungen im zweiten Quartal.
Operative Herausforderungen im kommenden Quartal
Für das dritte Quartal zeichnen sich weitere Belastungen für die Produktion ab. Mercer plant im September eine zehntägige Wartungspause im Werk Peace River in Alberta. Auch für den Standort Rosenthal ist eine planmäßige Instandhaltung für September vorgesehen.
Diese Stillstände dürften das Produktionsvolumen im laufenden Quartal zusätzlich drücken. Medienberichten zufolge bleibt die Lage angespannt, während Großaktionäre wie die Kellogg-Gruppe, die zuletzt einen Anteil von 40,25 Prozent hielten, die strategischen Optionen des Unternehmens beobachten.
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