Die Aktie von Mercer International gerät am heutigen Freitag massiv unter Druck und verliert 7,1 %. Auslöser für den erneuten Kursrutsch ist eine sich zuspitzende Krise auf dem globalen Zellstoffmarkt. Während Branchenkonkurrenten bereits Werke schließen, kämpft das Unternehmen mit operativen Stillständen und einer angespannten Finanzlage. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust des Papiers damit auf 78 %.
Marktdruck und geplante Produktionsstopps
Medienberichten zufolge hat der Konkurrent Domtar heute angekündigt, zwei seiner Zellstoffwerke in British Columbia auf unbestimmte Zeit stillzulegen. Als Grund werden beispiellos niedrige Preise für Zellstoff angeführt, die inflationsbereinigt das niedrigste Niveau seit einem Jahrhundert erreicht haben sollen. Diese Entwicklung belastet den gesamten Sektor und trifft Mercer in einer ohnehin schwierigen Phase.
Das Unternehmen selbst hat für den kommenden Monat zusätzliche Einschränkungen angekündigt. Am 13. August gab Mercer bekannt, dass das Peace-River-Zellstoffwerk in Alberta vom 7. bis 17. September 2026 für eine zehntägige Wartung vom Netz gehen wird. Dieser geplante Stillstand dürfte die Produktion um etwa 15.000 luftgetrocknete metrische Tonnen reduzieren und das Ergebnis des laufenden Quartals weiter belasten.
Existenzielle Sorgen und Analystenreaktionen
Die wirtschaftliche Lage von Mercer International gilt als prekär. In dem Anfang August veröffentlichten Finanzbericht für das zweite Quartal äußerte das Management erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens.
Hintergrund sind bevorstehende Schuldenfälligkeiten, insbesondere eine kanadische revolvierende Kreditlinie, die im Januar 2027 ausläuft. Zudem droht für die deutschen Standorte nach dem 30. September 2026 ein Verstoß gegen Kreditklauseln bezüglich des Verschuldungsgrads.
Diese Unsicherheit spiegelt sich in den Einschätzungen der Analysehäuser wider. Am 10. August senkte TD sein Kursziel für die Aktie von 0,40 US-Dollar auf nur noch 0,15 US-Dollar. Am selben Tag bestätigte Analyst Hamir Patel von CIBC zwar seine Einstufung mit „Hold“, reduzierte das Kursziel jedoch ebenfalls von 1,00 US-Dollar auf 0,75 US-Dollar. Das Papier notiert aktuell bei 0,3772 € und nähert sich damit stetig seinem Jahrestief an.
Restrukturierung am Standort Torgau
Um der Krise entgegenzuwirken, hat das Unternehmen Anfang August einen umfassenden Restrukturierungsplan für das Werk in Torgau vorgestellt. Geplant ist ein Abbau von rund 350 Arbeitsplätzen, der bis zum zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein soll. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Profitabilität des Werks um mehr als 20 Millionen US-Dollar zu steigern.
Flankiert werden diese Schritte durch das Sparprogramm „One Goal 100“, das bis Ende 2026 jährliche Verbesserungen von 100 Millionen US-Dollar realisieren soll. Seit dem Start im April 2025 wurden laut Unternehmensangaben bereits Einsparungen in Höhe von 54 Millionen US-Dollar erzielt.
Dennoch verzeichnete das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 einen bereinigten Verlust von 1,13 US-Dollar je Aktie und verfehlte damit die Markterwartungen deutlich.
Ein wesentlicher Faktor für das negative operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von 21,0 Millionen US-Dollar waren neben hohen Faserkosten in Deutschland auch nicht zahlungswirksame Bestandsabschreibungen in Höhe von 29 Millionen US-Dollar.
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