Nachdem die Aktie von Mercer International gestern ein neues Jahrestief erreicht hatte, verzeichnet das Papier am heutigen Mittwoch eine deutliche Gegenbewegung. Das Unternehmen notiert aktuell bei 0,3666 Euro, was einem Tagesplus von 9,2 % entspricht.

Trotz dieses kurzfristigen Kursanstiegs bleibt die langfristige Lage angespannt: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das am 2. September des vergangenen Jahres markiert wurde, beträgt weiterhin beachtliche -87 %. Anleger richten ihren Blick nun verstärkt auf die Suche nach strategischen Alternativen, mit denen das Management die Liquidität sichern und die Kapitalstruktur stabilisieren will.

Refinanzierung und strategische Optionen im Fokus

Die Führung des Unternehmens hat Berater engagiert, um gemeinsam mit wichtigen Interessengruppen verschiedene Wege zur Adressierung bevorstehender Schuldenlaufzeiten zu prüfen. Im Mittelpunkt steht dabei eine im Januar 2027 auslaufende Kreditlinie in Kanada.

Ohne eine erfolgreiche Refinanzierung oder die Generierung ausreichender Barmittel könnte dem Konzern zudem eine vorzeitige Fälligstellung deutscher Kreditfazilitäten drohen, falls vereinbarte Verschuldungskennzahlen (Covenants) nicht eingehalten werden.

Dieser Prozess folgt auf die bereits vor rund zwei Wochen in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht geäußerten Zweifel an der Fortführung der Geschäftstätigkeit.

Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit der unsicheren Lage bei der Rückzahlung der anstehenden Verbindlichkeiten. Die eingeleitete Suche nach strategischen Lösungen gilt als entscheidender Hebel, um das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückzugewinnen und die Bilanz nachhaltig zu stärken.

Fortschritte beim Kostensenkungsprogramm „One Goal One Hundred“

Parallel zur finanziellen Restrukturierung treibt Mercer International sein Effizienzprogramm voran. Das Projekt mit dem Namen „One Goal One Hundred“ zielt darauf ab, bis zum Jahresende Einsparungen in Höhe von insgesamt 100 Millionen US-Dollar zu realisieren.

Medienberichten zufolge konnten im zweiten Quartal bereits zusätzliche 13,0 Millionen US-Dollar eingespart werden. Seit dem Start des Programms im April des vergangenen Jahres summierten sich die Kostensenkungen damit auf rund 54,0 Millionen US-Dollar.

Teil der Neuausrichtung ist auch eine tiefgreifende Restrukturierung am Standort Torgau. Dort plant das Unternehmen einen Abbau von etwa 350 Stellen, der bis zum zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein soll. Diese Maßnahmen sind eine Reaktion auf das schwierige Marktumfeld, das durch historisch hohe Faserkosten in Deutschland geprägt ist.

Laut Unternehmensangaben führten der Wegfall russischer Holzimporte infolge des Ukraine-Krieges sowie der Wettbewerb mit subventionierten Herstellern von Holzpellets für die Energiegewinnung zu einem massiven Kostendruck.

Operative Herausforderungen und Analysteneinschätzungen

Die wirtschaftliche Schwere der Lage spiegelte sich bereits in den Quartalsergebnissen wider, die vor gut drei Wochen veröffentlicht wurden. Ein negatives operatives EBITDA von 21,0 Millionen US-Dollar sowie ein Nettoverlust von 76,0 Millionen US-Dollar verdeutlichten die operative Schieflage. In diesem Verlust war eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf Vorräte in Höhe von 29,0 Millionen US-Dollar enthalten.

Die Analysten reagierten in den vergangenen Wochen mit deutlichen Kurszielanpassungen auf diese Entwicklung. So senkte das Analysehaus TD am 10. August sein Kursziel für die Aktie drastisch von 0,40 US-Dollar auf nur noch 0,15 US-Dollar und bestätigte die Einstufung „Sell“.

Bereits am 21. Juli hatte die CIBC ihr Kursziel von 1,50 US-Dollar auf 1,00 US-Dollar reduziert, damals jedoch noch ein neutrales Rating beibehalten. Angesichts der komplexen Gemengelage aus hohem Kostendruck und dringendem Refinanzierungsbedarf bleibt die Volatilität der Aktie hoch.