Der Zellstoff- und Holzproduzent Mercer International erhält finanzielle Unterstützung von der kanadischen Regierung für sein Werk Peace River. Während die Zusage über insgesamt 20 Millionen kanadische Dollar (C$) für eine punktuelle Entlastung sorgt, bleibt die Lage des Unternehmens angespannt. Die Aktie hat seit Jahresbeginn den Großteil ihres Wertes eingebüßt und markierte erst kürzlich neue Tiefstände.

Millionen-Förderung für Peace River

Die staatlichen Mittel fließen Medienberichten zufolge im Rahmen der Regional Tariff Response Initiative an die Tochtergesellschaft Mercer Peace River Pulp Ltd. Davon entfällt eine Million C$ auf eine nicht rückzahlbare Förderung.

Den weitaus größeren Teil bildet ein Darlehen über 19 Millionen C$, dessen Rückzahlung erst im Jahr 2031 beginnen soll. Diese Kapitalspritze am Mittwoch ist für Mercer von Bedeutung, um den Standort zu modernisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Zusätzlich zur staatlichen Hilfe steht eine operative Neuerung bevor. Am Dienstag, den 1. September, wird der Start erster Umsätze aus dem Bereich Mass Timber erwartet. Mercer versucht damit, sein Geschäftsmodell breiter aufzustellen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von den stark schwankenden Zellstoffpreisen zu mindern, die das Ergebnis in der jüngeren Vergangenheit massiv belasteten.

Angespannte Liquiditätslage und Restrukturierung

Die operative Situation war zuletzt von erheblichen Verlusten geprägt. Vor gut drei Wochen meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 ein negatives operatives EBITDA von 21,0 Millionen US-Dollar. Der Nettoverlust belief sich auf 76,0 Millionen US-Dollar. Besonders negativ wirkten sich gestiegene Faserpreise in Europa sowie eine außerplanmäßige Abschreibung auf Vorräte in Höhe von 29,0 Millionen US-Dollar aus.

Um gegenzusteuern, treibt Mercer das Sparprogramm „One Goal One Hundred“ voran. Seit April 2025 konnten so bereits 54,0 Millionen US-Dollar eingespart werden, wobei bis zum Jahresende ein Ziel von 100 Millionen US-Dollar angestrebt wird. Parallel dazu erfolgt eine tiefgreifende Restrukturierung im Werk Torgau. Dort sollen bis zum zweiten Quartal 2027 rund 350 Stellen abgebaut werden, um die Kostenstruktur nachhaltig zu senken.

Die finanzielle Stabilität bleibt dennoch das zentrale Risiko für Anleger. Eine Ausnahmeregelung für die Verschuldungsquote deutscher Kreditfazilitäten läuft am 30. September aus.

Das Management räumte vor gut drei Wochen ein, dass Mercer die erforderlichen Kennzahlen im vierten Quartal voraussichtlich verfehlen wird. Es laufen bereits Gespräche mit den Inhabern von Senior Notes, die in den Jahren 2028 und 2029 fällig werden, um die Liquidität langfristig zu sichern.

Analysten senken die Daumen

Die Börse reagierte zuletzt verhalten auf die Nachrichtenlage. Am Freitag schloss das Papier bei 0,3248 Euro, was einem Rückgang von 3,4 % entspricht. Damit liegt der Kurs nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 0,3002 Euro, das ebenfalls am Freitag erreicht wurde. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist inzwischen auf rund 22,32 Millionen Euro geschrumpft.

Analysten bewerten die Aussichten weiterhin skeptisch. Hamir Patel vom Analysehaus CIBC senkte am 10. August das Kursziel für Mercer von 1,00 US-Dollar auf 75 Cent und behielt die Einstufung „Neutral“ bei. TD Securities reduzierte das Ziel am selben Tag deutlich auf 0,15 US-Dollar. Das Haus empfiehlt die Aktie angesichts der finanziellen Herausforderungen weiterhin zum Verkauf.