Die Zuversicht an der Wall Street wächst ungeachtet der Debatte über die enormen Kosten der Technologieoffensive von Meta. Morgan Stanley hob die Einstufung für den Social-Media-Konzern auf „Overweight“ belassen und das Kursziel von 775 auf 820 US-Dollar angehoben.

Analyst Brian Nowak passte zugleich seine Schätzungen für den Gewinn je Aktie der Jahre 2027 und 2028 leicht nach oben an. Am Markt wächst vor der morgigen Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal 2026 dennoch die Nervosität bezüglich der Kapitaldisziplin.

Gestern schloss das Papier im deutschen Handel bei 629,20 Euro, womit die Notierung einen Abstand von 8,7 Prozent zu ihrem 52-Wochen-Hoch von 689,00 Euro aufweist.

Ausgabenflut trifft auf Margendruck

Die Kernfrage der Investoren dreht sich um die Rentabilität der Ausgaben. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern mit Investitionsausgaben zwischen 130 und 145 Milliarden US-Dollar, was einer annähernden Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Beobachter befürchten, dass die gewaltigen Infrastrukturinvestitionen die operative Marge im kommenden Jahr weiter unter Druck setzen könnten.

Im zweiten Quartal 2026 sank die operative Marge des Konzerns bereits auf 31 Prozent, nachdem sie im Vorjahresquartal noch bei 43 Prozent gelegen hatte. Neben den steigenden Infrastrukturkosten drückten damals Abfindungen und rechtliche Aufwendungen das Ergebnis.

Vor den morgigen Quartalszahlen warnen Marktbeobachter vor zusätzlichen Sonderbelastungen. Das Analysehaus StoneX verwies im Vorfeld darauf, dass eine staatliche Vergleichszahlung die Kostenprognose um mindestens zehn Milliarden US-Dollar erhöhen könnte. Bei der Bank of America wird aus demselben Grund mit einem dämpfenden Einfluss auf das Nettoergebnis des dritten Quartals gerechnet.

Werbegeschäft bleibt stabiles Fundament

Das operative Kerngeschäft liefert unterdessen die notwendigen Mittel für den Technologieumbau. Für das dritte Quartal 2026 peilt das Meta-Management einen Konzernumsatz zwischen 61 und 64 Milliarden US-Dollar an. Die Bank of America bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 810 US-Dollar und erwartet dabei Erlöse von 63,8 Milliarden US-Dollar.

Treiber des Geschäfts ist unverändert die Effizienz der Anzeigenausspielung. Im vorangegangenen Jahresviertel legten die Werbeeinblendungen um 14 Prozent zu, während die durchschnittlichen Anzeigenpreise um 12 Prozent stiegen. Vor allem KI-gestützte Werbetools wie Advantage+, die zuletzt eine annualisierte Run-Rate von über 75 Milliarden US-Dollar erreichten, stützen das Kerngeschäft.

Nutzerbindung bei neuen Initiativen

Neben den reinen Finanzkennzahlen rückt die tatsächliche Nutzung neuer Produkte in den Mittelpunkt. Der vor über einem Monat gestartete KI-Agent Muse sorgt an der Wall Street für geteilte Einschätzungen. Morgan Stanley bezifferte die täglichen Downloads in den USA zwar auf rund 300.000, verwies jedoch auf eine 14-Tage-Nutzerbindung von lediglich etwa 20 Prozent.

Die Erlöse aus neuen Initiativen reichen bislang bei weitem nicht aus, um den gewaltigen Kapitalaufwand kurzfristig zu kompensieren. Die Bilanzvorlage am morgigen Mittwoch nach US-Börsenschluss wird zeigen müssen, ob das Werbewachstum stark genug bleibt, um die steigenden Technologieausgaben aufzufangen.